Fall Kalinka wieder vor Gericht

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Der Vater des 1982 gestorbenen Mädchens Kalinka (Foto), André Bamberski, hält den Mediziner für den Mörder seiner Tochter Kalinka.

Paris - Fall Kalinka wieder vor Gericht: Der nach Frankreich entführte deutsche Arzt Dieter K. wird sich in Paris aller Voraussicht nach einem Gerichtsverfahren stellen müssen.

Das oberste französische Revisionsgericht lehnte es am Mittwochabend ab, die Entscheidung über den Haftbefehl gegen den Mediziner für ungültig zu erklären. Seine Anwälte wollen den Fall nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg bringen. Der bei seiner Entführung im Oktober schwer misshandelte Dieter K. sitzt seit rund vier Monaten in Frankreich in einer Einzelzelle. Der Vater des 1982 gestorbenen Mädchens Kalinka, André Bamberski, hält den Mediziner für den Mörder seiner Tochter Kalinka.

Bamberski soll die Entführung nach Frankreich eingefädelt haben. Dieter K. war der Stiefvater des damals 14 Jahre alten Mädchens.

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Der 74-jährige Arzt aus dem Landkreis Lindau am Bodensee war 1995 in Frankreich wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde von der Bundesrepublik aber nie ausgeliefert, weil die deutsche Justiz ein Ermittlungsverfahren zuvor aus Mangel an Beweisen eingestellt hatte. André Bamberski soll deswegen im vergangenen Herbst die Entführung Dieter K.s nach Frankreich organisiert haben. Die vermutlich von den Entführern alarmierte Polizei nahm den gefesselten Deutschen dann fest. Nach Willen der französischen Staatsanwaltschaft soll Dieter K. nun erneut vor Gericht gestellt werden.

Kalinka hatte den Sommer 1982 mit ihrer Mutter und deren neuem Partner, Dieter K., in Lindau am Bodensee verbracht. Der Vater ist überzeugt, dass der Mediziner seine Tochter dort vergewaltigen wollte und ihr eine tödliche Spritze gab. Bei der Obduktion des Mädchens wurden Genitalverletzungen festgestellt. 1997 wurde Dieter K. in Deutschland wegen einer anderen Sexualstraftat verurteilt. Ein Gericht in Kempten verhängte zwei Jahre Haft auf Bewährung gegen ihn, weil er eine 16-Jährige mit Schlafmitteln ruhig gestellt und vergewaltigt hatte.

Der französische Anwalt des 74-Jährigen kündigte direkt nach der Entscheidung des Kassationshofes eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg an. “Wie kann die französische Justiz sagen, dass er im Gefängnis bleiben muss, wenn er entführt wurde und es keine neuen Beweise gibt? Frankreich verstößt gegen alle Menschenrechte“, sagte Yves Levano. “Es ist vollkommen unglaublich. Ich hoffe nur, dass er im Gefängnis nicht stirbt.“ Die leibliche Tochter von Dieter K. bezeichnete den Gesundheitszustand ihres Vaters am Mittwoch als sehr schlecht. Er soll schwere Herz- und Lungenprobleme haben.

dpa

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