Erdbeben und Tsunami stürzen Chile ins Chaos

Rancagua - Krankenhäuser fielen zusammen, Gefängnismauern stürzten ein, hunderte Menschen starben - in Chile haben ein gewaltiges Erdbeben und ein Tsunami eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

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“Bis auf die Straße hörte man die Schreie derer, die sich noch unter dem 14-stöckigen Gebäude befinden“, sagt ein Mann aus der besonders schwer betroffenen Stadt Concepción im Süden Chiles. Bei den Erdstößen zerbrach das Haus in zwei Teile. Das Epizentrum des gigantischen Bebens der Stärke 8,8 lag nur etwa 90 Kilometer von der Stadt entfernt.
Mindestens hundert Menschen seien noch unter dem Gebäude, sagt Landrat Jaime Tohá, während er Anweisungen an Berater, Polizisten und Militärs gibt. Ein siebenjähriger Junge konnte im Beisein seines Vaters gerettet werden aus den Betontrümmern, aus denen immer wieder Rufe zu hören waren.

Ein drei Monate altes Kleinkind starb dagegen in der Stadt Talca, rund 150 Kilometer nördlich von Concepción, bevor sein Vater es retten könnte. Es gibt Todesopfer in Badeorten, auf dem Land und in den Bergen. Betroffen sind allein in der Region Concepción mehr als 400 000 Menschen. “Nur Gott kann uns helfen“, sagte ein Frau in Talca.

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Die Behörden verschafften sich mit Hubschraubern einen ersten Eindruck. “Wir stehen vor einer Tragödie“, sagte Verteidigungsminister Francisco Vidal. Staatschefin Michelle Bachelet rief zur Ruhe auf. Alle erforderlichen Maßnahmen seien eingeleitet.

Das Chaos im Süden des Landes ist enorm. Das Krankenhaus von Puerto Saavedra stürzte ein, mindestens zwei Patienten starben. Auch medizinische Zentren in Talca, Valdivia und Concepción wurden beschädigt und evakuiert. “Es gab Feuer“; “Gefängnismauern stürzten ein“; “300 Gefangene flohen in Chillán“ - bruchstückhaft setzte sich in den sozialen Netzwerken des Internets am Samstag ein Bild über das Ausmaß der Katastrophe zusammen.

Feuerwehr und Polizei waren in den am stärksten betroffenen Städten pausenlos im Einsatz. Die Einwohner waren von dem gewaltigen Beben am Samstag um 03.34 Uhr brutal aus dem Schlaf gerissen worden. Millionen Menschen verließen gleichzeitig die Häuser und liefen auf die Straßen. “Überall auf den Straßen liegen Trümmer und Kabel“, berichteten TV-Sender über die Lage in Concepción, wo Gebäude aus Beton in Trümmern daliegen.

Vom Pazifik her rollte auf die Küstenregionen eine riesige Welle zu. “Iloca (ein Küstenort) verschwand“, beschrieb ein Hörer im Radio seinen Eindruck vom Tsunami. In der südlichen Küstenstadt Lebu überschwemmte eine mehrere Meter hohe Welle die Stadt. Die Anwohner waren rechtzeitig auf angrenzende Hügel geflüchtet.

dpa

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