Die Wochenrevue von Andreas Becker

Zwischen Tiefdruck und Tabellenhoch

Als Daheimgebliebener war das irgendwie eine komische Woche. Rein gefühlsmäßig. Während diejenigen, die gleich zu Beginn der Sommerferien in den wohlverdienten Urlaub gefahren sind, noch nicht wieder in die Heimat zurückgekehrt sind, haben jene, die die zweite Ferienhälfte gebucht haben, die Region mittlerweile verlassen.

Und genau so fühlte sich der geneigte buten-un-binnen-Uelzener, der die vermeintlich beste Zeit des Jahres in den eigenen vier Wänden verbringt. Kein Freund, kein Bekannter da, kaum Veranstaltungen, wenige Aktionen – und vom Wetter sind Mann und Frau in diesen „Sommer“-Tagen zwischen Weser, Elbe und Harz eh’ verlassen. Und trotzdem – das Wetter liefert zumindest jede Menge Gesprächsstoff. Dieser undefinierbare Mix aus feuchtschwüler Saunaluft, ergiebigen Wolkenbrüchen, trüben und wolkenverhangenen Tagen mit Temperaturen, die sich so eben noch im zweistelligen Bereich bewegen, macht zwar wenig Lust auf Garten, Grillen und Getränke, führt Jung und Alt aber schnell zum Small-Talk zusammen.

Ob beim morgendlichen Brötchenholen, dem mittaglichen Imbiss oder beim abendlichen Einkauf an der Kasse – die rasante Folge von meteorologischen Hochs und Tiefs lässt keine großen Schweigeminuten entstehen. Der Sommer, der anno 2011 als Schnelldurchgang aller vier Jahreszeiten daher kommt, hat sich zu dem Thema überhaupt entwickelt. Doch damit ist es seit gestern Abend endlich und endgültig vorbei. Wetter hin, Wetter her – in der Bundesliga rollt nach wochenlanger – oder waren es Monate – Abstinenz der Ball. Mit anderen Worten: Ab Montag stehen Schweinis Pässe und Poldi Schüsse wieder auf der Tagesordnung. Dann werden Tabellen und Tore intensiv bis ins kleinste Detail analysiert. Und nicht, wie viel Liter Regen in welchem Zeitraum auf irgendeinen Flecken norddeutscher Erde geprasselt sind.

Parallel beenden nach und nach die Urlauber ihre Ferien und der oftmals ach so unterschätzte Alltag nimmt wieder seinen Lauf. Bis zur Winterzeit, wenn jene Wochen anbrechen, in denen es schwer fällt, Tages- und Nachtlicht zu unterscheiden. Spätestens dann wächst sie wieder – jene Sehnsucht nach tollen Sommertagen, die sowohl Daheimgebliebene als auch Ferienflieger eigentlich viel besser finden. Auch wenn sie sich manchmal komisch

andreas.becker@cbeckers.de

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