Zahlt der Bund überhaupt?

′So sieht der geplante Trassenverlauf der A 39 im Uelzener Kreisgebiet aus.Grafik: Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Uelzen/Landkreis. Wird der Bund für den geplanten Bau der Autobahn 39 überhaupt finanzielle Mittel aufbringen können? Mit dieser Frage beschäftigte sich gestern die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf ihrer Informationsveranstaltung in der Uelzener Stadthalle. Die Trasse ist jetzt festgelegt – Abweichungen um wenige Meter sind jedoch noch möglich. Auch der Zeitplan ist inzwischen abgesteckt. Ab 2014 wird es ernst: Dann könnte der Bau auf den ersten Abschnitten der A39 beginnen, hieß es. Ob die Bundesregierung auch dann noch zu dem Bauprojekt steht, ist aber unklar.

Werner Pfeiffer, Referatsleiter für Bundesfernstraßen im niedersächsischen Wirtschaftsministerium, bemühte sich, mögliche Zweifel zu beseitigen. "Das Projekt ist im vordringlichen Bedarf des Bundes. Wir haben einen klaren Auftrag der Legislative und werden Baurecht präsentieren", betonte er. Die Frage der Finanzierung der A39 stelle sich erst 2014. Eine jetzige Diskussion über die Realisierungschancen "würde die Planer nur verunsichern", meinte Pfeiffer. Das Land werde die Bundestagsabgeordneten aber schon jetzt für die Bedeutung der A 39 sensibilisieren.

Die Kosten für den Autobahnbau bezifferte Pfeiffer auf rund 620 Millionen Euro, von denen etwa 70 Millionen auf die Planung entfielen. Diese Zahlen zweifelte Eckehard Niemann, Pressesprecher des Dachverbandes der 35 Bürgerinitiativen gegen die A39, jedoch an. Seiner Ansicht nach werden die Planungsausgaben auf 100 Millionen Euro steigen und die Gesamtkosten für die A39 sich "vermutlich verdoppeln". Niemann kritisierte, die Landesbehörde arbeite mit vier Jahre alten Zahlen. "Die Bau- und Stahlpreise haben sich seitdem aber deutlich erhöht."

Den Verwurf einer überholten Kostenschätzung wies Dirk Möller, Leiter des Lüneburger Geschäftsbereichs der Landesbehörde, indes zurück. Seine Mitarbeiter hätten die erwarteten Preissteigerungen bei der Kalkulation im Jahr 2004 bereits eingerechnet. Unterstützung erhielt er von Pfeiffer, der überzeugt ist, "dass hier ganz solide abgeschätzt wurde". Nach Auffassung von Niemann hat die Infoveranstaltung hingegen die gesunkenen Realisierungschancen der A39 "unübersehbar gemacht".

Erschienen: 11.10.2008: AZ / az / Seite:2

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