Anwohner befürchten Swingerclub / Betreiber weist Ängste zurück

Sex-Treff in der Esterholzer Scheune?

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Mit Plakaten, die sie an mehreren Stellen im Dorf verteilt haben, protestieren zahlreiche Esterholzer gegen die Pläne des Vereins „Hof- eulen“. Dieser will nach eigenen Worten ein Vereinsheim bauen, die Anwohner befürchten aber einen Swingerclub.

Esterholz. Die gelb-schwarzen Plakate sprechen eine deutliche Sprache. „Wir wollen keinen Swingerclub in Esterholz“, ist darauf zu lesen, ebenso „Wir sagen Nein zum Eulenhof“ und „Schützt unser Dorf! Bewahrt uns unsere Ruhe!“.

Mit diesen Mahnungen, die sie mehr als ein Dutzend Mal im Ort aufgehängt haben, protestieren zahlreiche Esterholzer Bürger gegen Pläne des Vereins „Hofeulen“. Dieser hat im November 2015 im Dorf einen Hof mit zwei Scheunen gekauft, die zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut werden sollen.

Was genau dort entstehen wird, darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander. „Das wird ein Swingerclub“, ist Anwohner Torben Baucke überzeugt. Zusammen mit etwa 30 weiteren Bürgern des Ortes verurteilt er die angeblichen Pläne der „Hofeulen“ scharf. Er warnt: „Unser Dorf hat nur etwa 70 Einwohner. Es sollen aber bis zu 100 Gäste zu den Veranstaltungen kommen.“ Das werde unzumutbaren Lärm durch an- und abfahrende Autos, Türenschlagen und nächtliche Unterhaltungen im Freien zur Folge haben, glaubt Baucke. Außerdem stehe der Ruf von Esterholz auf dem Spiel.

Klaus-Dieter Thuß-Könecke vom Verein „Hofeulen“ kann die Aufregung nicht verstehen. „Wir bauen hier definitiv keinen Swingerclub“, betont er gegenüber der AZ. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Maren Bahr und seinem Freund Karl-Heinz Freitag wolle er auf seinem Hof eine „multifunktionale Begegnungsstätte“ schaffen, kündigt Thuß-Könecke an. Dazu erwarte er an Wochenenden maximal 80 bis 100 Besucher.

In einer der beiden Scheunen könnten zum Beispiel Hochzeiten und Geburtstage gefeiert sowie Tanzveranstaltungen, Workshops und Motto-Partys abgehalten werden. Es bestehe aber auch die Möglichkeit für erotische Treffen, gibt Thuß-Könecke zu. Mit Veranstaltungen dieser Art hat er bereits Erfahrung. Seit zehn Jahren betreibt er die „Kreativ-Werkstatt Eulenspiegel“ in Harburg, deren Programm sich um Kultur, Geselligkeit und Sex dreht.

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Mehr Partygäste als Einwohner

Swingerclub oder Vereinsheim? Esterholzer streiten über Pläne des Vereins „Hofeulen“ im Ort

In dieser und einer angrenzenden Scheune in Esterholz will der Verein „Hofeulen“ eine Veranstaltungsstätte schaffen.

„Wir genießen unser Leben und verbringen sehr gern Zeit im Kreise gleichgesinnter Menschen, um uns auszutauschen, gemeinsam Spaß zu haben, zu lachen, einfach mal den Alltag zu vergessen und glücklich zu sein.“ So steht es in einem Brief, mit dem sich Klaus-Dieter Thuß-Könecke, Maren Bahr und Karl-Heinz Freitag vom Verein „Hofeulen“ ihren Nachbarn in Esterholz vorgestellt haben. In einem schriftlichen Konzept ist zudem die Rede davon, dass „Sexualität in unserem Vereinsleben eine bedeutende Rolle spielt“. Was ist nun genau geplant in Esterholz? „Wir bauen ein Vereinsheim für Gleichgesinnte“, sagt Vereinsvorsitzender Thuß-Könecke. Erotische Treffen seien dort nicht ausgeschlossen.

Eine Gruppe Esterholzer Bürger sieht das anders. „Wir sind überzeugt, dass hier ein Swingerclub gebaut werden soll“, sagt Torben Baucke und warnt vor einem „Verfall der Sitten“ im Ort. „Unsere Kinder sollen in der Schule nicht ,die vom Swingerclub‘ sein“, betont er. Auch Anwohner Stefan Kraut ist in Sorge: „Unsere Grundstücke werden dadurch an Wert verlieren.“ Die Bürger befürchten zudem, dass es jedes Wochenende regen Publikumsverkehr zu den Scheunen der „Hofeulen“ geben wird. „Wir werden hier mehr Partygäste als Einwohner haben“, glaubt Baucke. Das werde aber nicht zu mehr Lärm im Dorf führen, verspricht Thuß-Könecke. Der Verein habe eine Wiese am Ortsrand gekauft. „Die Autos unserer Gäste werden dort draußen parken und gar nicht durch den Ort fahren“, sagt er. Und Maren Bahr betont: „Wir wollen hier keine Unruhe reinbringen, sondern möchten ein friedliches Miteinander haben.“ Einen Swingerclub oder gar ein Bordell wolle man nicht betreiben.

Warum dem Verein das Image eines Swingerclubs anhafte, könne er sich nicht erklären, so Thuß-Könecke. Anders als ein solcher Club sei das geplante Vereinsheim keine Gaststätte mit festen Öffnungszeiten und Laufkundschaft. Wer an den Veranstaltungen in Esterholz teilnehmen wolle, müsse sich vielmehr dafür anmelden und zuvor Vereinsmitglied werden. Der Vorsitzende hofft, dass das Domizil der „Hofeulen“ 2017 eröffnet werden kann. Zuvor müssen die Scheunen entrümpelt und umgebaut werden. Eine entsprechende Bauvoranfrage liege vor, bestätigt Wrestedts Gemeindedirektor Harald Benecke. Der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss werde sich am 18. Oktober mit dem Vorhaben beschäftigen. Über die bauordnungsrechtlichen Fragen, darunter mögliche Lärm-Emissionen und die Zufahrt zum Hofgrundstück, entscheide der Landkreis, so Benecke. Und er stellt klar: „Wenn geltendes Recht dem Bauantrag nicht entgegenspricht, muss dem Antragsteller eine Genehmigung erteilt werden.“ Zugleich weist Benecke den Vorwurf einiger Esterholzer Bürger zurück, er habe deren Beschwerden bewusst abgeblockt, um eine Beteiligung der Anwohner zu verhindern. „Alle Diskussionen im Ort beruhten bislang nur auf Spekulationen. Deshalb hat sich die Gemeinde dazu noch nicht geäußert“, erklärt er.

Von Bernd Schossadowski

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