Seit vier Wochen gibt es die Asylunterkunft in Stadensen – Wissam Al-Hilali ist einer ihrer Bewohner

Kochen und der Traum vom Klavier

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Der irakische Flüchtling Wissam Al-Hilali, hier mit Tanja Klomfass, Leiterin der Stadenser Unterkunft, kocht wie die anderen Bewohner sein Essen in der Gemeinschaftsküche selbst.

Stadensen. An den deutschen Winter muss sich Wissam Al-Hilali, einer der Bewohner der am 17. Dezember eröffneten Flüchtlingsunterkunft in Stadensen wohl noch gewöhnen. In seinem Zimmer hat der 24-jährige Iraker die Heizung voll aufgedreht – dort herrschen fast 30 Grad.

Für eine willkommene Erfrischung sorgt da ein großes Glas eisgekühlte Cola, das Wissam Al-Hilali seinem Besucher serviert. Auch wenn er jetzt viele tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt lebt, wird Gastfreundschaft bei ihm großgeschrieben.

„Hier in Stadensen ist es ganz Ordnung. Nur ziemlich klein und abgelegen“, erzählt der junge Mann in fließendem Englisch. Kein Wunder, seine Heimat Mossul ist eine Millionenstadt. „Wir mögen Uelzen, weil dort mehr Leute leben als in Stadensen. Da können wir einkaufen und uns mit ihnen unterhalten.“

Seit drei Monaten lebt Wissam Al-Hilali nun schon in Deutschland. Über Syrien, die Türkei und die Balkanroute ist der studierte Agraringenieur in die Freiheit geflüchtet. Seine Eltern und Geschwister wohnen noch in Mossul, das von der Terrormiliz IS unterjocht wird. Per Telefon und Facebook hat er regelmäßig Kontakt mit seiner Heimat. „Die Lebensbedingungen sind dort sehr schlecht“, erzählt der 24-Jährige. Die Sorge in seiner Stimme ist unüberhörbar.

Umso glücklicher ist Wissam Al-Hilali über die friedliche Atmosphäre in der vom Diakonieverband Nordostniedersachsen betriebenen Gemeinschaftsunterkunft in Stadensen. Das ehemalige Altenheim an der Achterstraße bietet Platz für 40 Personen. Zurzeit wohnen dort 38 Flüchtlinge – alles Männer. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien und dem Irak, die anderen aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Iran und Somalia. Sie sind überwiegend in Zweier-Zimmern untergebracht.

Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die Gemeinschaftsküche. Wenn die Flüchtlinge nachmittags von ihren Deutschkursen in Uelzen und Nettelkamp zurückkehren, wird erst einmal gekocht. „Die Bewohner organisieren ihren Einkauf, die Zubereitung der Mahlzeiten und die Reinigung der Küche selbst“, sagt Tanja Klomfass vom Diakonieverband, die die Unterkunft leitet.

In ihrer Freizeit spielen Wissam Al-Hilali und die anderen Bewohner gerne Fußball auf einer Wiese. Auch die Tischtennisplatte, die Dartsscheibe und der Fußballkicker in der Unterkunft werden häufig genutzt. Außerdem sind ehrenamtliche Helfer regelmäßig zu Besuch und üben mit den Bewohnern Deutsch.

Mit den ersten vier Wochen der neuen Unterkunft ist Tanja Klomfass sehr zufrieden. „Die Mitarbeiterinnen fühlen sich hier sicher, es gibt keinerlei Ängste“, betont sie. Das bestätigt auch Regina Erdmann vom Herbergsverein „Wohnen und Leben“, die die Flüchtlinge als Sozialarbeiterin betreut: „Die Atmosphäre im Haus ist angenehm. Die Bewohner begegnen uns respektvoll.“

Das Kompliment gibt Wissam Al-Hilali gerne zurück. „Alle Leute sind sehr nett hier“, sagt er. Trotzdem würde er am liebsten in einer eigenen Wohnung leben. Denn er hat Pläne für sein Leben. „Ich will mal einen Buchladen oder ein Restaurant eröffnen“, verrät er und fügt lachend hinzu: „Und dann möchte ich Klavier spielen lernen.“

Von Bernd Schossadowski

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