Bollensen und Martinshof feiern ihre Zusammenarbeit

Freiwillige Feuerwehr: 15 Jahre gelebte Inklusion

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Seit 15 Jahren machen die Menschen mit Handicap des Martinshofes bei der Freiwilligen Feuerwehr Bollensen mit. Sechs von ihnen sind bisher in die Ortsfeuerwehr übernommen wurden.

Klein Bollensen. Aus einem gemeinsamen Essen wurde eine Erfolgsgeschichte, aus einer lockeren Anfrage ein nicht mehr wegzudenkendes Modell, eine gelungene Inklusion.

Im Jahre 2001 saßen Bollensens damaliger Ortsbrandmeister Ferdinand Lucke, der Jugendfeuerwehrwart Reinhard Anton und Ilse Kellner vom Martinshof in Klein Bollensen beim „Griechen“ zusammen, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit der Feuerwehr mit gehandicapten Menschen auszuloten. Und dann ging alles sehr schnell.

Rückenstärkung gab es durch die Samtgemeinde. Aus der Bekleidungskammer wurde Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt und noch im gleichen Jahr stellten sich sieben neugierige „Martinshöfler“ der Jugendfeuerwehr Bollensen vor. Für Anton von Anfang an eine Ehrensache, die Jungen und Mädchen an die Feuerwehr heranzuführen.

Aus dem Jugendfeuerwehrwart ist der Ortsbrandmeister geworden, aus den jungen Brandschützern des Martinshofes heute schon teilweise Feuerwehrleute mit erfolgreich abgelegter Truppmann-Ausbildung. Reinhard Anton erinnerte an Anfänge und Ausbildung der Menschen mit Handicap, mit der er immer noch persönlich befasst ist.

An allen Aktivitäten der Jugendfeuerwehr nahm die Martinshofgruppe teil, ob Schwimmen, Kinotag, gemeinsamen Essen oder Zeltlager. 2004 löste sich die Jugendfeuerwehr Bollensen auf, nicht aber das Brandschützerteam des Martinshofes. Sie wurden langsam in die aktive Gruppe der Feuerwehr Bollensen integriert. „Bis zu einer Gruppenstärke von zehn Personen war das kein Problem, das kann ich heute noch gut händeln“, sagt Anton, die Lacher auf seiner Seite.

Eigene T-Shirts und Pullover stärkten das Selbstwertgefühl der gehandicapten Feuerwehrleute, die sich 2006 zudem der Ersthelfer-Ausbildung stellten und jährlich rund 40 Dienstabende leisten. Sechs von ihnen sind bisher in die Ortsfeuerwehr übernommen worden.

Christian Saffenreuther, Geschäftsführer der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Martinshof, dankte Reinhard Anton und der Feuerwehr Bollensen. „Sie haben etwas Einzigartiges, etwas Großartiges geschaffen und den Mut bewiesen, Menschen mit Handicap in die Gemeinschaft aufzunehmen, sie mit Motivation und Begeisterung zu fördern und zu fordern, sie Anerkennung erleben zu lassen, ihnen ein positives Gefühl zu geben.“

Von Ulrich Bleuel

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