„Ein Fremdkörper im Dorf“

Auf diesem Hof in Emern soll ein Krematorium für Kleintiere entstehen – die Bürger wehren sich dagegen und fordern eine Verlegung in ein Gewerbegebiet.

bl/ib Emern. Die Genehmigung zum Bau eines Heimtierkrematoriums in Emern ist erteilt. Nicht informiert wurden Gemeinderat, Bauausschuss und die Emerner Bürger selbst. Von dem Plan, eine solche Anlage mitten in das Dorf zu setzen, erfuhren die Einwohner, wie berichtet, erst nach Ostern etwas. Und das auch nur gerüchteweise. So recht glauben wollte das niemand, bis vor zwei Wochen die Baugenehmigung vorlag. Am 2. Mai wurde die Bürgerinitiative für ein lebendiges Emern gegründet, der inzwischen 138 Mitglieder angehören.

Zu einer Informationsveranstaltung hatte die Initiative am Dienstagabend in die Livos-Halle eingeladen. Nach Recherchen der Gruppe gibt es in ganz Deutschland kein Tierkrematorium, das sich in einem Wohngebiet befindet. „Sie befinden sich alle in Gewerbegebieten oder außerhalb von Ortschaften. Wir wehren uns gegen die Nähe und müssen befürchten, dass Emern zu einem Präzedenzfall wird“, begründete Sprecherin Sigrid Körtke die ablehnende Haltung der Bürger.

Nicht erschienen waren die Gesellschafter Enno Albrecht und Joachim Oehlmann von der Eichenhof GmbH als zukünftige Betreiber der Anlage. In einem Brief an die Versammlung sah Enno Albrecht eine faire Vorstellung des Vorhabens nicht gewährleistet. „Mir wurde mitgeteilt, ich hätte nur zehn Minuten Redezeit und dürfte keine Medien wie Beamer, Zeichnungen oder Fotos benutzen“, erklärt Enno Albrecht im AZ-Gespräch. Innerhalb von zehn Minuten hätte er keine Chance gehabt, das Vorhaben angemessen zu vertreten, deswegen sei er gar nicht erst erschienen. BI-Mitglied und Moderator Werner Fricke vermutete indes, der Landkreis habe den Betreibern geraten, nicht zu der Versammlung zu erscheinen.

Auch der Betreiber einer ähnlichen Anlage in Hanstedt bei Harburg, weiß Enno Albrecht, sei zunächst zu der Informationsveranstaltung eingeladen gewesen, kurz darauf dann aber per anwaltlichem Schreiben nicht nur ausgeladen worden. „Ihm wurde die Teilnahme sogar verboten“, weiß Albrecht.

Die Technik der Verbrennungsanlage wird von der IZFW Industrieofen- und Feuerfestbau GmbH & Co. KG aus Zwickau gestellt. Deren Ingenieur Clemens versicherte ein unauffälliges Eingliedern der technischen Bebauungen und dass alle vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerte unterboten werden. Es gelte ein maximales „Beschickungsgewicht“ von 60 Kilogramm. Und er stellte fest, dass es sich um eine Bestattungsanlage handele und nicht um eine Entsorgungsanlage von Tierkörpern.

Die Befürchtungen konnten den Versammlungsteilnehmern mit den Diskussionsbeiträgen nicht genommen werden. Die Bürgerinitiative hat durch einen Rechtsbeistand Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Ekel erregende Geruchsbelästigungen seien zu erwarten, das Genehmigungsverfahren sei in der Tiefe nicht ausreichend geprüft worden, hieß es.

Und Werner Fricke gab zu bedenken: „Wirtschaftlich rechnet sich eine solche Anlage erst bei 4000 Verbrennungen im Jahr, der Betreiber aber plant nur mit 2000.“ In wenigen Jahren könne das Kleintierkrematorium dann auch wieder nur eine Bauruine sein, die niemand haben wolle.

Mit großer Mehrheit beschloss die Versammlung am Dienstagabend am Ende folgende Resolution: „Das Heimtierkrematorium ist ein Fremdkörper im Dorf. Wir wollen es hier nicht haben. Bürgermeister, die zuständigen gewählten Gremien (Gemeinderat und Bauausschuss) sowie die Kreisverwaltung werden gebeten, sich mit unseren Befürchtungen und Bedenken auseinander zu setzen und eine andere Lösung außerhalb des Dorfes zu finden – zum Beispiel im Gewerbegebiet Uelzen.“

Kommentare