Das Drama um Albina

Nach Montenegro abgeschobene Frau aus Nettelkamp darf zurück in den Kreis Uelzen

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Am 10. Juni hat der Landkreis Uelzen die 20-jährige Albina Bahovic (links), hier mit ihrer Schwester Raba, aus Nettelkamp in ihre Heimat Montenegro abgeschoben. Doch nach einem aktuellen Gerichtsurteil hat Albina nun gute Chancen, bald legal in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen.

Nettelkamp. Der Landkreis Uelzen hat sie vor sechs Wochen in ihr Heimatland Montenegro abgeschoben, weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Außerdem verhängte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein Einreise- und Aufenthaltsverbot von 30 Monaten gegen sie.

Doch jetzt hat der Fall der 20-jährigen Albina Bahovic, die seit Sommer 2015 in Nettelkamp lebte und hervorragend integriert war (AZ berichtete), eine entscheidende Wende genommen.

In einem aktuellen Urteil hat das Verwaltungsgericht Lüneburg die Anordnung des Einreise- und Aufenthaltsverbots gegen die junge Frau aufgehoben. Wenn alles gut geht, könnte Albina Bahovic bald wieder nach Deutschland einreisen und wie geplant ihre Ausbildung zur Altenpflegerin in Uelzen beginnen. Zurzeit lebt sie bei ihrer Oma in einem kleinen montenegrinischen Dorf.

Als Albina gestern die Nachricht von ihrer möglich gewordenen Rückkehr hört, kann sie es kaum glauben. „Was? Das freut mich riesig. Einfach super!“, sagt die 20-Jährige im Telefongespräch mit der AZ. In Montenegro, wo sie seit ihrer Abschiebung am 10. Juni lebt, sei sie nicht wirklich glücklich, erzählt sie. „In Deutschland war es viel besser. Ich hoffe, dass ich bald wieder da bin.“

Wie berichtet, hat Albina zum 1. August einen Ausbildungsplatz im Uelzener Senioren- und Pflegeheim Mantra sowie einen Schulplatz an der BBS II sicher. Ihr Deutsch ist ausgezeichnet, sie hat in Nettelkamp und Umgebung viele Freunde gefunden. Nun fehlt nur noch das grüne Licht der deutschen Behörden.

Zumindest die Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts Lüneburg lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Anordnung des Einreise- und Aufenthaltsverbots durch das Bundesamt sei „ermessensfehlerhaft“ und „rechtswidrig“, heißt es. Albina Bahovic werde dadurch in ihren Rechten verletzt. Deshalb ordnete das Gericht an, dass das Bundesamt ihr nun einen neuen, fehlerfreien Bescheid erteilen muss.

Albinas Rechtsanwalt Berthold Schatz aus Langenhagen geht davon aus, dass dies zeitnah geschieht. Er hofft, dass das Einreise- und Aufenthaltsverbot dann ganz aufgehoben wird oder zumindest von deutlich kürzerer Dauer ist als die besagten 30 Monate. So lange muss Albina aber noch in Montenegro warten.

Banges Warten auf die Einreise-Erlaubnis

Die junge Montenegrinerin Albina Bahovic (rechts), hier mit Ute Koslowski, einer Freundin der Familie, hofft, dass sie bald aus ihrer Heimat zurück nach Deutschland reisen darf.

Für Außenstehende mutet die Zeit, die Albina Bahovic seit dem 10. Juni in ihrem Heimatland Montenegro verbringt, wie Urlaub an. „Ich wohne momentan bei meiner Oma, lerne weiter Deutsch und besuche Freunde“, erzählt die 20-Jährige gestern im Telefongespräch mit der AZ. Trotzdem ist es für Albina, die zuvor ein Jahr lang als Asylsuchende in Nettelkamp lebte und vor sechs Wochen abgeschoben wurde (AZ berichtete), eine Zeit des zermürbenden Wartens, voller Ungewissheit und Sorge. Wann darf Albina wieder nach Deutschland einreisen, um wie geplant im Uelzener Senioren- und Pflegeheim Mantra eine Ausbildung zur Altenpflegerin zu beginnen? Diese Frage bewegt die junge Frau, die an Nettelkamp schöne Erinnerungen hat. „Dort hat es mir sehr gut gefallen. Ich hatte Freunde, die Leute waren sehr nett, alle haben uns geholfen“, erzählt sie in ausgezeichnetem Deutsch.

Wie es mit Albina nun weitergeht, hängt von zwei Entscheidungen ab. Zum einen muss das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihr einen neuen Bescheid zur Dauer eines möglichen Einreise- und Aufenthaltsverbotes erteilen. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht Lüneburg angeordnet. Albinas Chancen stehen offenbar nicht schlecht. Sie hofft, dass es kein Verbot mehr gibt oder dieses nur kurz ausfällt.

Zum anderem läuft zurzeit ein zweites Gerichtsverfahren: Albinas Anwalt Berthold Schatz hat beantragt, dass die 20-Jährige wegen ihrer geplanten Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommt. Auch dafür sind die Aussichten wohl recht gut, denn Altenpflegerinnen werden hierzulande händeringend gesucht. Das könnte Albina die legale Einwanderung ermöglichen. Obwohl es dazu noch kein Gerichtsurteil gibt, hat der Landkreis Uelzen die junge Frau in ihr Heimatland abgeschoben. Die Behörde berief sich darauf, dass das Urteil nicht abgewartet werden müsse, weil Albinas Asylantrag zuvor abgelehnt worden war.

„Rein juristisch hat der Landkreis nichts falsch gemacht, die Abschiebung war aber menschlich sehr unschön“, meint Anwalt Schatz. Doch er betont: „Ich bin sehr optimistisch, dass Albina es am Ende schaffen kann, auch wenn das unter Umständen bedeutet, dass sie noch ein Jahr oder länger in Montenegro auf ihre Einreise nach Deutschland warten muss.“

Unterdessen hat Albina in der deutschen Botschaft in Montenegros Hauptstadt Podgorica ein Visum für die Einreise nach Deutschland beantragt. „Man sagte mir, dass ich mindestens drei Monate darauf warten muss“, berichtet sie. Ihre Eltern und die vier Geschwister wird sie trotzdem bald wieder in die Arme nehmen können. Denn Familie Bahovic, deren Asylantrag ebenfalls abgelehnt wurde, wird freiwillig aus Nettelkamp nach Montenegro ausreisen, wo sie ein kleines Haus besitzt. Der Reisebus fährt am 29. Juli in Hamburg ab. Auf das Wiedersehen freut sich Albina schon sehr: „Ich kann es kaum erwarten und werde sie an der Bushaltestelle in unserem Nachbarort abholen.“

Von Bernd Schossadowski

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