Wierens Edeka-Markt schließt endgültig / Bürgerinitiative sucht weiter nach Alternativen

Allein zwischen leeren Regalen

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„Eine Mischung aus Wehmut und Freude“: Frank Bee an der Kasse seines Edeka-Marktes in Wieren. Seit Mittwoch bleibt der Laden für Kunden geschlossen, die Waren sind bereits ausgeräumt. Wie es für den gebürtigen Uelzener nun weitergeht, ist noch ungewiss.

Wieren. Die Eingangstür verschlossen, die Regale leer, im Schaufenster der Hinweis auf die Geschäftsaufgabe: Die Tage des Edeka-Marktes in Wieren sind gezählt.

Im Moment ist der bisherige Betreiber Frank Bee noch damit beschäftigt, die Verkaufsräume endgültig zu leeren: Letzte Lebensmittel warten auf ihre Abholung, um in einer anderen Filiale zum Verkauf angeboten zu werden. In etwa einer Woche wird sich ein Schrotthändler um die Regale kümmern.

Als „eine Mischung aus Wehmut und Freude“ beschreibt Bee das Gefühl beim Anblick des leeren Ladens. Sein Großvater Wilhelm Bee hatte das Geschäft 1949 eröffnet, ein Aufkleber an der Schaufensterscheibe erinnert an das mehr als 50-jährige Bestehen des Marktes. Einerseits erinnert sich Frank Bee gut an die Zeiten, als der Laden noch lief. Auch der letzte Verkaufstag sei „ergreifend“ gewesen: „Viele Stammkunden sind noch einmal gekommen, manche haben über 50 Jahre lang hier eingekauft.“ Andererseits ist er nun froh, die Geschäftsaufgabe abwickeln zu können und nach vorne zu blicken.

Wie genau es nun jedoch weitergeht, weiß er noch nicht. Vieles hängt davon ab, was aus dem Gebäude wird: Direkt neben den Verkaufsräumen befindet sich die Wohnung Bees, eine Durchgangstür verbindet Berufs- und Privatleben. „Getrennt voneinander lässt sich das nicht veräußern“, erläutert der 47-Jährige, „ein Makler versucht jetzt, einen Käufer für beides zu finden.“ Das würde auch bedeuten, dass sich Bee eine neue Bleibe suchen muss. Er kann sich gut vorstellen, in Wieren wohnen zu bleiben, doch das ist wiederum davon abhängig, wie es beruflich für ihn weitergeht. „Selbstständigkeit kommt nicht in Frage“, gewährt der gebürtige Uelzener Einblick in seine Überlegungen, „und selbst bei der Frage, ob es wieder in den Einzelhandel geht, bin ich zwiegespalten.“

Auch viele Wierener werden sich fragen, wie es wohl weitergeht – ob sie nun dauerhaft weitere Wege für ihren Einkauf auf sich nehmen müssen oder sich vielleicht ein neuer Lebensmittelhandel im Ort ansiedelt. Wie berichtet, hatte Bee den Markt bereits seit Mai nur noch am Vormittag geöffnet und die Schließung für Ende September angekündigt. Eine Aufrechterhaltung des Betriebs hätte Investitionen erfordert, doch dafür war der Laden nicht profitabel genug.

Da Einkaufsfahrten in die umliegenden Orte aber gerade ältere oder wenig mobile Bewohner Wierens vor Probleme stellen, versucht eine Gruppe von Bürgern, einen Ausweg zu finden: Sie werben um die Ansiedlung eines neuen Lebensmittelhandels oder wollen versuchen, die Versorgung als Bürgergesellschaft selbst in die Hand zu nehmen.

Jochen Steinhagen, Sprecher der Gruppe, hat keine kurzfristigen Lösungen in Sicht: „Wir werden uns in Geduld üben und erst einmal damit leben müssen, dass es in Wieren nichts gibt.“ Man führe mit Lieferanten positive Gesprächen, aber ein Betreiber fehle im Moment noch. Auch ein Geschäft auf vier Rädern habe sich nicht finden lassen. Bei der Idee einer Versorgung in Eigenregie hapert es vor allem an finanziellen Mitteln. „Das fängt schon bei einem Grundstück an“, erklärt Steinhagen. Dennoch ist diese Möglichkeit noch nicht vom Tisch:

„Wir informieren uns, wie es andernorts funktioniert, und müssten dann ein konkretes Konzept erstellen“, beschreibt er das Vorgehen. In jedem Fall sei und bleibe die Bürgerinitiative aktiv: „Wir sind dran und mit möglichen Partnern in Kontakt“, so Steinhagen. Demnächst werde es wieder ein Treffen der Mitglieder geben, bei dem sie sich über den aktuellen Stand austauschen und die nächsten Schritte besprechen.

Von Karsten Tenbrink

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