Kleinster Ort im Stadtgebiet protestiert gegen Tank- und Rastanlage

Wollerstorf macht mobil

In Wollerstorf sieht man schwarz: Die Skizze der Rasthofgegner stellt die geplante Anlage der Größe des Ortes gegenüber.

Wollerstorf. Der öffentliche, laute Protest kam lange Zeit nur aus Hohnstorf. Dort, im Uelzener Nordkreis, soll eine Tank- und Rastanlage (TuR) an der geplanten Autobahn 39 gebaut werden. Nun wollen auch die Wollerstorfer „ihre“ Raststätte in den Fokus rücken.

Im Rahmen des Ise-Land-Hoffestes am kommenden Sonntag, 4. September, soll über das umstrittene Vorhaben informiert werden.

Wenige hundert Meter vom Ort entfernt soll die 24 Hektar große TuR entstehen. 250 Lkw und 100 Pkw sollen dort Platz finden. Den Wollerstorfern will nach wie vor nicht einleuchten, dass der Alternativstandort am VW-Testgelände an einer Fledermauskolonie scheitert. „UNSER Lebensraum muss geschützt werden“, fordern die Dorfbewohner in ihrem Flyer, der am Sonntag verteilt werden soll.

Lärmschutz ist derzeit nicht geplant, daher fürchtet man in Wollerstorf gesundheitliche Folgen. Auch die nächtliche Beleuchtung der Anlage wird als Belastung gesehen. Gegen die TuR wird auch ins Feld geführt, dass die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen am Ort erschwert wird, weil zum Elbe-Seitenkanal durch die Rastanlage und die Autobahntrasse weitere Barrieren hinzukommen. 48 Hektar Nutzfläche, so hat man in Wollerstorf errechnet, gehen durch das Vorhaben verloren.

Der kleinste Ort im Stadtgebiet mit seinen nicht ganz 40 Einwohnern hofft nun, durch seine Aktion am Sonntag Mitstreiter zu finden. Mut macht den Wollerstorfern die wesentlich lebhaftere Diskussion im Landkreis Uelzen: Eine Verlegung der Hohnstorfer TuR in den Uelzener Bereich würde auch eine Südverschiebung der Wollerstorfer Anlage bedeuten – vermutlich aus dem Wittinger Stadtgebiet heraus.

Das wiederum dürfte der Wittinger Politik ebenfalls nicht ganz recht sein: Hier hatte man auf neue Arbeitsplätze und auch Gewerbesteuer aus dem Betrieb der TuR gesetzt.

Derweil kommt von der Hohnstorfer BI Kritik an den Aussagen des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), der bei einem Besuch im Landkreis Uelzen letzte Woche keinen Zweifel am Bau der Autobahn ließ – 2013 werde es den ersten Spatenstich geben. Die BI wertet das als „Wahlkampf“ und stellt die Frage, wie Ferlemann den Baustart so genau prognostizieren kann: „Ist das Planfeststellungsverfahren, das die Rechte der Bürger sichern soll, entschieden? Es hat noch nicht einmal angefangen.“ Der Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A 39 sieht in Ferlemanns Aussagen ebenfalls Wahlkampfhilfe für seine Parteikollegen.

Gleichzeitig weist der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz auf Widersprüche aus dem Bundesverkehrsministerium hin: Ein anderer Staatssekretär habe Anfang August in einer Zeitung betont, dass der Bund Aussagen zur Finanzierung der A 39 frühestens 2014 machen werde.

Von Holger Boden

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