Wofür das meiste Geld?

Hans-Helmut Decker-Voigt

Ein bisschen Geschichte: Die Kondratieff-Forschung ist ein Gebiet, in dem Volks-und Weltwirtschaftler die Arbeit des berühmten Russen fortsetzen und nachdenken beziehungsweise vordenken, wofür die zivilisierte Welt eigentlich das jeweils meiste Geld ihrer Zeit ausgab.

(Ca.) Bis 1850 investierten die Staaten, die Geld hatten, das Meiste davon in die Entwicklung der Dampfmaschinen (siehe Eisenbahnen), bis 1900 in die Stahlproduktion (richtig: auch für die Schienen der überall boomenden „Eisen-“ Bahnen). Bis 1950 wurde in Elektrizität am meisten investiert. Jedem seine glühende Glühbirne.

Richtig warme, wärmende Sonne

Jetzt werden die Zeit-Wellen kürzer: Bis 1980 gingen die meisten Investitionen in die Petrol-Chemie, übersetzt: jedem sein Auto. Seit 1980 bis heute schwimmen wir in Geld für Halbleitertechnik (vom PC bis zu den letzten Schreien am und durch Handys). Danach – schätzen die Wissenschaftler und werden durch die Gegenwart bestätigt – werden wir noch größere Summen investieren in unsere Gesundheit. Es geht schon los: Zahnpflege bis Implantat, Fitness-Programme und Psychotherapie – wir geben überall immer mehr eigenes Geld dafür aus und zahlen zu.

Die Kondratieff-Welle danach? Ich weiß sie schon, nur die Volks – und Weltwirtschaftler noch nicht. Wir werden, da wir nun bald alles haben, was wir haben, das meiste Geld künftig investieren in den Bereich, den wir immer weniger haben: Sonne. Richtige warme, wärmende, strahlende Sonne. Die für die Landwirtschaft nötigen Regenschauer natürlich einbezogen, inkludiert – wie das alles heute heißt, was wir einbeziehen sollen, wollen, müssen.

Wir werden uns ein Leben bezahlen müssen, in dem wir wieder die Sonne haben, die uns vor diesem jetzigen unsonnigen Leben schien. Was waren das für Frühlinge, die den Sonnen-Sommer vorbereiteten (das bisschen nötige Regen inkludiert) und für den wir uns Urlaube erlaubten mit Sonne eben. Heute müssen wir fliegen, weit weg. Garmisch-Partenkirchen und Usedom – die beiden sonnenträchtigsten Gebiete unserer Republik – melden…ja, eben Regen, durchsetzt mit Sonne.

O-See oder Ostsee

Ich sehe sie, die Zukunftswelle der Kondratieff-Forschung dahinten: Riesige Summen in die Reparatur des von uns gestörten Klimas unserer Mutter Erde. Ich sehe uns in künstliche Sonnen investieren, die von den Windmühlen in den Windmühlenparks Kunstsonne scheinen lassen, der Strom dafür kommt aus der Windmühle. Ich sehe uns in des Kaisers ganz neuen Kleidern: Eben nicht nackt am Strand des Oldenstädter Sees oder der Ostsee, sondern in einem mobilen Solarium, eingenäht in spezielle Urlaubssonnenanzüge. Dort drin ist‘s warm, schön digital einstellbar warm. Und wir brauchen oben nur die zugehörige Brille aufzusetzen – dann ist alles im Sonnenlicht. Wie früher.

Hans-Helmut Decker-Voigt ist als Schriftsteller mit Übersetzungen in zwölf Sprachen tätig und arbeitet musik- und psychotherapeutisch in Forschung und Praxis. Er ist per E-Mail erreichbar unter Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de. „Erinnerungen an heute“ finden Sie auch unter az-online.de/kolumnen.

Von Hans-Helmut Decker-Voigt

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