von woche zu woche

Prost und Amen für die Himmelfahrt

Der Frühling der vielen freien Tage endet bald. Es gab Ostern und Himmelfahrt –Pfingsten kommt noch. Alle drei Ereignisse werden freudig begrüßt, man kramt den Grill heraus, stellt das Bier kalt. Und gerade beim Himmelfahrtstag übertreibt man es gern. Mancher hat im Landkreis Uelzen heute noch Kopfschmerzen, sei es wegen Alkohol oder wegen einer Keilerei.

„Vatertag“ nennen wir das gern, und leider hat man den Tag auf Himmelfahrt gelegt. „Leider“ deshalb, weil so ein religiöser Feiertag gern zu einem inhaltsleeren Besäufnis ausartet. Schade. Religion darf jedem egal sein. Es ist nicht jedermanns Sache, an Auferstehung und Gottwerdung eines Menschen zu glauben, der vorgab, Sohn eines Gottes zu sein. Rein naturwissenschaftlich gesehen ist das Unsinn. Und so ist es auch sehr leicht, Religion als Mumpitz abzulehnen. Aber gerade die vergangenen freien Tage beruhen auf der Religion. Und genau wie Ostern und Pfingsten ist Himmelfahrt ein Kernstück des christlichen Glaubens. Wem auch das egal ist – das ist in Ordnung. Erstaunlicherweise ist aber vielen nicht egal, wie andere Menschen mit Religion umgehen. Wir reden uns die Münder fusselig über Integration und Tradition. Unterstellen vielen, sie wollten sich nicht integrieren. Beschuldigen andere, niemanden integrieren zu wollen. Wir pochen, was Integration angeht, gern auf Eingliederung in die Gepflogenheiten dieser Nation. Wir haben uns eine Meinung gebildet im Kopftuchstreit und glauben, fachkundig darüber parlieren zu können. Kurz: Wir reden gern über die Religion anderer – ohne selbst zu wissen, weshalb wir einen religiösen Tag frei haben, auf den dann ein nicht religiöser Männer-Tag gefallen ist. Wer gesellschaftlich interessiert ist, schenkt Ostern, Himmelfahrt und bald Pfingsten ein wenig mehr Interesse, denn Religion und religiöse Werte gehören zu unserer Gesellschaft. Himmelfahrt verdient es nicht, zur Sauftour zu werden – so wie Weihnachten es nicht verdient, zum Kommerz zu werden.

Von Kai Hasse

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