Wittingen will „das Beste draus machen"

Wittingen - Von Holger Boden. Die Stadt Wittingen will weiterhin die A39 – aber Euphorie löst das Autobahnprojekt in der Stadtpolitik offensichtlich längst nicht mehr aus.

Gilt auch nach wie vor die einstimmig verfasste Resolution für den Bau der Fernstraße, so war bei der Trassendiskussion am Mittwochabend im Ausschuss für Landwirtschaft und Verkehr hauptsächlich von "kleinsten Übeln" und "Juckepunkten" die Rede, man werde "dieses Ding nicht verhindern" und müsse nun "das Beste draus machen". Am Ende der Debatte, die den Vorschlag für eine Stellungnahme der Stadt zum Raumordnungsverfahren zum Ziel hatte, stand auf Antrag von Friedrich Lührs (FWG) ein Ja zur Vorzugsvariante. Zur Abmilderung von Härten müsse man "belastbare Einwendungen" anfügen (diese wurden im Detail nicht erörtert), kleinräumige Trassenverschiebungen prüfen und auf die schnelle Realisierung einer Wittinger Südumgehung drängen. Das sahen bis auf Hildrun Mitschke auch die übrigen Ausschussmitglieder so. Die SPD-Ratsfrau sagte, sie könne "diese Variante nicht unterstützen": "Ich sehe die Existenz unserer Vollerwerbslandwirte als gefährdet an", argumentierte sie mit Blick auf den erwarteten Ackerland-Verlust bei Glüsingen. Ortsteile wie Mannhagen und Hahnenberg würden durch das Straßenbauwerk mit seinen Unterführungen "abgetrennt", zudem gehe etwa Joggern oder Radfahrern ein "Raum für Naherholung" verloren. Mitschkes Haltung – die Sozialdemokratin stellte auch den Bau der Autobahn an sich in Frage – bedeutet aber offensichtlich keinen generellen Politikwechsel bei der Wittinger SPD. Ihr Fraktionskollege Reinhold Tielbörger stimmte wie die beiden CDU-Vertreter Heinrich und Hartmut Schulze für den Vorschlag von Lührs. Derweil forderte Mitschke eine inhaltliche Rückkehr zur Pro-A39-Resolution – und plädierte für eine "möglichst östliche Variante". Hartmut Schulze hielt dem entgegen, er habe "Verständnis" für die Kritik aus Glüsingen, doch halte er die Vorzugsvariante für "die beste für Wittingen". Welche Diskussionen die Autobahn im Stadtgebiet aufwirft, machte Bauamtsleiter Albert Soltau deutlich, der von "sehr vielen Eingaben" der Bürger sprach, die die Verwaltung an die Lüneburger Regierungsbehörde weiterleiten werde. Und Betroffene gibt es natürlich im Osten wie im Westen der Stadt: Die Privatbrauerei habe für den Fall einer östlichen Variante Bedenken wegen ihrer Tiefbrunnen zwischen Wittingen und Rade angemeldet, berichtete Soltau. Ein anderer großer Arbeitgeber, die Firma Emsland Food, mache sich bei einer Westvariante Sorgen wegen der Abwasserentsorgung bei Eutzen. Aus Reihen der Wittinger Bürger wird eine Südumgehung gefordert, und in der Politik denkt man über eine zweite Abfahrt nach, die zu einer Entlastung des innerstädtischen Verkehrs beitragen soll. Letzteres sieht Stadtbürgermeister Karl Ridder skeptisch: "Eine zweite Abfahrt ist in meinen Augen utopisch, wir sollten eher die kleine Variante einer Umgehung verfolgen." Fortsetzung der Diskussion auf Stadtebene: am 12. Juni im Bauausschuss. Zuvor werden auch die Ortsräte von Vorhop (6. Juni) und Wittingen (8. Juni) sich des Themas annehmen. Erschienen: 02.06.2006: IK / 127 / Seite:3

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