So wird ein Kleinod zerstört

Demonstration gegen die A 39 in den Seewiesen: Viele betroffene Landwirtsfamilien waren dabei.Foto: Bleuel

Von Ulrich BleuelAbbendorf. Der Brachvogel brütet hier, auch der Kranich. Eine Graureiher-Kolonie hat hier ein Zuhause gefunden, gelegentlich sieht man einen Schwarzstorch durch das Grüne schreiten. Seltene Gräser und Zwergbirken gedeihen in dieser Idylle. Die Bodenteicher Seewiesen sind als Naturlandschaft einzigartig im Landkreis. Die Vorzugstrasse der geplanten A39 würde dieses Kleinod zerstören.

Aber nicht nur wegen des Erhalts dieser Beschaulichkeit waren Mitglieder der Bürgerinitiative "Keine A39 Südkreis Uelzen" mit einer Trecker-Demonstration auf dem Dammweg zwischen Abbendorf und Schostorf zusammengekommen. Es waren vornehmlich Landwirte aus den genannten Dörfern, aus Neu Lüder oder Lüder, die an dieser Stelle mit ihren Familien, mit Freunden und Bekannten, symbolisch darstellen wollten, wo eigentlich genau die Trasse die Seewiesen durchschneidet und wie sich dort "Straßenverkehr" bemerkbar macht.

"Wir sind keine wilden Protestler", machte Sprecher Thomas Schulz deutlich. Natürlich nutze man das Burgspektakel in Bad Bodenteich, damit sich möglichst viele Menschen vom Aussichtsturm der Burg ein Bild vom störenden fließenden Verkehr in den Seewiesen machen können. "Selbst stören aber wollten wir das Fest nicht."

Mag die Gemeinde die Autobahn wollen, diese Landwirte wollen sie nicht. Bei allen Planungen sei der Faktor Landwirtschaft zu wenig berücksichtigt worden. Auf Anfragen gebe es keine konkreten Antworten, Stillschweigen von den zuständigen Behörden. "Wir haben keine Planungssicherheit mehr", kritisiert Landwirt Tankmar Sauer aus Lüder den mangelnden Informationsfluss und ist überzeugt: "Bestehende Existenzen werden kaputt gemacht.

Aus Sicht der Landwirte habe man die so genannte "Null-Variante", also den Ausbau der bestehenden B 4 zu wenig in den Bereich der Möglichkeiten gezogen. Unmut macht sich breit, Fragen bleiben unbeantwortet. Was kosten eigentlich moderne Pfahlbauten durch das Moor, eine Autobahn auf Stelzen? Und warum laufen eigentlich die Planungen für einen Rundwanderweg durch die Seewiesen nicht weiter? Weiß man anderswo mehr, als man mitteilen will (darf)?

Nach knapp drei Stunden ziehen sich besorgte Bürger zurück, blicken noch einmal auf die Seewiesen zwischen Abbendorf und Schostorf, genießen die Stille, Vogelgezwitscher, den Frühling. Sie wollen weitermachen, die Mitglieder der Bürgerinitiative. "Es gibt noch viel zu tun", sagen die Landwirte und meinen damit nicht nur die laufende Feldbestellung.

Erschienen: 03.05.2006: AZ / 102 / Seite:8

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