Die Westvariante in der Präambel

Bad Bevensen. Mit denkbar knapper Mehrheit hat sich nach dem Bauausschuss nun auch der Bevenser Stadtrat auf seiner Sitzung am Donnerstagabend im Kurhaus für die Westvariante als Trasse der geplanten Autobahn 39 ausgesprochen.

Zwei Stimmen aus der CDU-Fraktion verhalfen dem SPD-Antrag zum Erfolg, der von der Verwaltung ausgearbeiteten Vorlage mit Einwendungen gegen die östliche Vorzugstrasse eine entsprechende Präambel voranzustellen. Darin wird mit der "historischen Zuwegung zur Stadt Bad Bevensen von den benachbarten Oberzentren" argumentiert, die stets von Westen erfolgt sei. "Nur mit Einmütigkeit können wir bei der Straßenbaubehörde Eindruck erwecken", appellierte Dr. Jost Bauer-Tertius eingangs an seine Ratskollegen. Denn die Abwägung der Trassenvarianten durch die Planer sei "nach heute gültigen Regeln konsequent durchgeführt worden", mithin nur schwer anzufechten. Doch von Einmütigkeit war das Gremium weit entfernt. Da der Verwaltungsausschuss kein Votum abgegeben hatte, die CDU uneins war und die Gruppe WBB/Grüne ihre Ablehnung jeglicher Autobahn bekräftigte, schien zeitweise fraglich, ob die Stellungnahme der Stadt zum Raumordnungsverfahren der A 39 an diesem Abend überhaupt verabschiedet würde. Hinzu kam eine unglückliche Regie des Ratsvorsitzenden, Bürgermeister Bruno Losiak, der die rund 60 Zuhörer – viele aus den besonders betroffenen östlichen Ortsteilen – durch eine allzu gestrenge Sitzungsleitung düpierte. Es bedurfte der Aufforderung des Ratsherrn Horst Eckert, "einen Pflock in die Erde zu schlagen: die Trasse muss weiter östlich verlaufen", damit wieder Bewegung in die verfahrene Diskussion kam, die auch um die Alternative eines B-4-Ausbaus kreiste. Mit den Stimmen von SPD und CDU verabschiedete der Rat zunächst die Verwaltungsvorlage, wie sie bereits drei Tage zuvor den Bauausschuss passiert hatte (die AZ berichtete). Zentrale Forderungen sind ein Verzicht auf die Anschlussstelle Altenmedingen, weil der Verkehr von dort das Kurgebiet über die Maßen belasten würde, sowie eine Änderung der Trassenführung zwischen den Ortsteilen Groß Hesebeck, Gollern und Röbbel. Der vorgesehene Autobahnverlauf unweit der Dörfer stelle eine "unzumutbare Beeinträchtigung für Lebensqualität und Gesundheit der dort lebenden Menschen" dar. Es schloss sich der Antrag für eine Westvariante an mit der mündlichen Festlegung durch Bauer-Tertius: "Wir wollen keinen Schwenk bei Emmendorf" – was die von Uelzen gewünschte östliche Umgehung der Kreisstadt trotz Westvariante möglich machen würde. Gerhard-Friedrich Schmidt und Siegfried Bending waren die beiden CDU-Ratsherren, die Gebrauch machten von der Aufhebung des Fraktionszwangs und der Präambel in die städtische Stellungnahme verhalfen. Neun Ja-Stimmen standen acht Nein-Stimmen (CDU-Mehrheit und WBB/Grüne) sowie einer Enthaltung gegenüber. Erschienen: 03.06.2006: AZ / 128 / Seite:6

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