Westen der Erholung vorbehalten

Auf reges Interesse der Bürger stieß die Ratssitzung zur A 39.Foto: Rosenau

Von Claus RosenauEbstorf. 119 Einwendungen gegen den geplanten Bau der A39 sind bei der Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf und ihren Gliedgemeinden eingegangen, informierte Bürgermeister Torsten Wendt während der Ratssitzung am Montagabend und hielt mit seiner Einschätzung nicht hinter dem Berg: "Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ein sehr geringes Ergebnis." Sein Eindruck sei, dass das Interesse mit Festlegung auf die östliche Vorzugstrasse in Ebstorf deutlich abgeflaut sei.

Dem widersprach in der Einwohnerfragestunde die Anti-Autobahn-Aktivistin Julia Haufe aus Natendorf, eine von rund 50 Zuhörern: Zahlreiche Einwendungen seien auch direkt an die Regierungsvertretung in Lüneburg gesandt worden. Und sie drehte den Spieß um: Wie viele Pro-A-39-Bekundungen denn eingegangen seien, wollte sie wissen. Angezweifelt wurde von den Autobahngegnern, dass die Samtgemeinde ihre Bürger ausreichend über das Verkehrsprojekt informiert habe. Eine Informationsveranstaltung der Kommune zur Autobahn hat es zuletzt 2004 gegeben, musste Wendt einräumen.

Punkt für Punkt – vom Naturschutz bis zum Tourismus – arbeitete sich der Bürgermeister an den Argumenten der Autobahngegner ab, um die vorgesehene Stellungnahme der Samtgemeinde im Raumordnungsverfahren zu begründen. Viele Aussagen über die Auswirkung der A 39 seien "reine Kaffeesatzleserei", so, ob es in der Region zu Abwanderung oder Aufschwung käme. Sicher sagen aber ließ sich, dass keine Planungsvorhaben der Gemeinde durch den Autobahnbau durchkreuzt würden.

Für die Vorzugsvariante, die die bessere Erschließung zu geringeren Kosten biete, fiel die Abwägung Wendts aus: "Wer eine Westvariante fordert, der will überhaupt keine A 39." Man müsse sich nur die Zickzacklinie ansehen, die deren Wahl erfordern würde. Der Antrag von SPD-Ratsherr Hans Peter Hauschild auf Ablehnung der Autobahn zugunsten eines B-4-Ausbau war chancenlos.

Bei zwei Gegenstimmen beschloss der Rat die vorbereitete Stellungnahme. Gegen die Westvariante wird darin die Gefährdung der Wasserschutzgebiete Amelinghausen und Hanstedt I ins Feld geführt, auch die Zerschneidung des Süsing als "einzigartige Naturlandschaft" müsse verhindert werden. Zudem könnten, heißt es in dem Votum, die für Ebstorf im Regionalen Raumordnungsprogramm vorgegebenen Entwicklungsaufgaben Erholung und Fremdenverkehr durch eine im Westkreis verlaufende Autobahn beeinträchtigt werden.

Erschienen: 28.06.2006: AZ / 148 / Seite:7

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