Von Woche zu Woche

Werte, Welten und viel Wandel

Ferien. Unterrichtsfreie Zeit. Für sechs Wochen schließen die Schulen ihre Pforten. Lehrer und Schüler gehen ihre (getrennten) Wege. Lehrer und Schüler des Herzog-Ernst-Gymnasiums werden ihre Pfade mit einem schwer bepackten Rucksack absolvieren müssen.

Die in Richtung der Abiturienten äußerst kritische, vielleicht einer Entlassungsfeier nicht angemessene Rede von Schulleiterin Ursula Schreiter-Antonius („Sie wurden zum Abiturjahrgang meiner schlaflosen Nächte“) und die anschließend folgenden scharfen, teilweise diffamierenden und von erschreckenden grammatikalischen Fehlern strotzenden Kommentare von Schüler und Eltern haben einen Graben tiefer werden lassen, der offenbar seit Jahren existiert. Der aber offenbar einem grundsätzlichen Problem in unserer Bildungslandschaft, ja offenbar sogar in unserer Gesellschaft geschuldet ist.

Wenn Werte, die in der Vergangenheit zum Alltag und zu den Selbstverständlichkeiten im Umgang unter Menschen gehört haben auf die Beliebigkeit der heutigen jüngeren Lehrer- und Schülergeneration treffen, prallen unterschiedliche Welten aufeinander. Dies ist für beide Seiten schmerzhaft. Ob der Aufprall auch lehrreich ist, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen – auch wenn es heute nicht mehr „in“ ist, für sein eigenes Handeln den Kopf hinzuhalten.

Gibt es ein (Patent-)Rezept, um die unterschiedlichen Wertesysteme kompatibler zu gestalten oder den Graben zwischen Paukern alten Schlages und der jungen Spaßgeneration gar zuzuschütten? Aufgrund des rasanten gesellschaftlichen Wandels, in dem Werte und ihre Interpretation inklusive des Aus- und Vorlebens fast täglich wechseln, wäre eine Portion Verlässlichkeit und Kontinuität im respektvollen Umgang miteinander schon ein kleiner Hoffnungsschimmer. Ein illusorischer Gedanke? Wahrscheinlich. Überhaupt nicht illusorisch, sondern zielführend wäre sicherlich ein grundsätzlich – und nicht auf die Abiturfeier beschränkter – offenerer Umgang mit der Thematik. Dass die HEG-Schulleitung in dieser Woche mehrmalige Interview-Anfragen der AZ mit einem Nein beschieden und auf eine mögliche Stellungnahme im Herbst verwiesen hat, beschwert den Rucksack für das kommende Schuljahr eher noch mehr. Hoffen wir auf eine Erleichterung in der kommenden Woche ...

Von Andreas Becker

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