Wenig Hoffnung für Ehra?

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Hofreiter (3. v. r.) zwischen Ehra und Lessien im Gespräch mit Reissig. Dort soll die Autobahn gebaut werden.

Ehra. Erst Ortsumgehung, dann Autobahn: Im Anschluss an ein informatives Gespräch mit der Bürgerinitiative „Gegen enge Süd“ in Brome, traf sich der Verkehrsexperte von Bündnis 90/die Grünen im Bundestag, Dr. Anton Hofreiter, am vergangenen Freitagabend mit Lokalpolitikern und betroffenen Anliegern zu einem Meinungsaustausch bezüglich des geplanten Baus der Autobahn 39 in Ehra.

Bei einer Ortsbesichtigung erläuterte Bürgermeisterin Jenny Reissig dem Verkehrausschuss-Vorsitzenden unter anderem die besondere Situation der Doppelortschaft, die durch den Bau der A 39 zerschnitten werden würde. Auf dem Anwesen der Familie Kalla-Münchmeyer konnte sich Hofreiter dann selbst davon überzeugen, wie eng die Autobahn nach dem Willen der Planer, an bebautem Gebiet vorbeigeführt werden soll. „Lärm überträgt sich auf weite Entfernungen“, sagte Hofreiter zu der nur wenige hundert Meter hinter dem Grundstück der Familie verlaufenden Trasse.

Dabei dürfe auch die Belastung durch Feinstaub nicht außer Acht gelassen werden, die, so Hofreiter „erwiesenermaßen zu hohen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt“. Angesichts der vorgelegten Planungsunterlagen meinte der Verkehrsexperte, dass die Autobahn so wie sie dort geplant wurde, den Charakter dieser Region nachhaltig verändern wird.

In einem an die Ortsbegehung anschließenden Vortrag erläuterte Hofreiter die Verkehrspolitik der Bundesregierung und nannte dabei auch konkrete Zahlen. So stünden dem Bund lediglich gut fünf Milliarden Euro jährlich für den Straßenbau zur Verfügung, von denen zirka die Hälfte in den Unterhalt des vorhandenen Wegenetzes investiert werden müssen. Im vordringlichen Bedarf angesiedelt sind zurzeit Straßenbauprojekte mit einem Kostenvolumen von 47 Milliarden. Rechnerisch ergibt sich daraus bereits heute ein „Rückstau von ungefähr zwanzig Jahren“.

Auf die A39 bezogen, meinte Hofreiter: „Im Jahr 2001 lagen die Baukosten bei kalkulierten 430 Millionen. Diese Zahlen dürften sich inzwischen allerdings nahezu verdoppelt haben“. Wie bei einer Informationsveranstaltung der Straßenbaubehörde vor einigen Wochen bereits deutlich gemacht worden ist (das IK berichtete), wird der örtliche Durchgangsverkehr durch den Bau der A39 weiter zunehmen. Von Bürgermeisterin Reissig auf die ihrer Meinung nach dann „zwingende Notwendigkeit einer Ortsumgehung für Ehra und Lessien“ angesprochen, meinte der Verkehrsexperte, dass die Chancen dafür „sehr gering“ seien, wenn die A39 gebaut wird, „selbst wenn diese den Ort tatsächlich vom Durchgangsverkehr entlaste“.

Letztendlich machte Hofreiter den Anwesenden wenig Hoffnung, dass das „von der Politik gewollte Projekt Autobahn 39“ bei dem mittlerweile weit fortgeschrittenen Planungsstand noch zu stoppen ist.

Von Detlev E. Deipenau

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