Vorurteile. . .

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. . .sind allgegenwärtig. Und so verdrehten viele Pendler gestern Morgen schon die Augen, als eine Schulklasse in den Großraumwagen ihres Fernzuges stiegen. Einige packten schleunigst ihre Habseligkeiten zusammen und flüchteten in den nächsten Waggon.

„Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis hier der erste Kassettenrekorder angeht“, begründete einer seinen Abgang mit der Angst vor überlauter Musik am frühen Morgen. Und erntete verständnislose Blicke von den Schülern. Zum einen, weil manch einem der Begriff „Kassettenrekorder“ im Zeitalter von modernster Unterhaltungstechnik offenbar nicht mehr viel sagt – zum anderen, weil sie eigentlich bislang in diesem Waggon gar nicht als besondere Lärmquelle ausfindig gemacht werden konnten. Ganz anders war die Situation wenige Sitze weiter, wo eine Gruppe Herrschaften, alle weit in die 50, sich fröhlich mit Schnaps und Prosecco zuprostete. Ihr Lärmpegel stieg mit jedem Gläschen und der Alkoholgeruch, der durch den Wagen waberte, war morgens um acht auch nicht jedermanns Sache. Vorbild waren die drei Pärchen mittleren Alters nicht gerade, doch das schien sie nicht weiter zu stören. Uhlenköper sehnte sich in diesem Augenblick in den Metronom, in dem bekanntlich ein Alkoholverbot gilt. Bislang hielt er es immer für überflüssig, dass das Metronom-Team schon morgens auf dieses Alkoholverbot hinwies. Doch das ist wohl mehr als nötig, weiß jetzt der Uhlenköper.

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