In Voitze „kein zweites Melbeck"

Brome - Von Holger Boden. Wenn es auch nichts zählbar Neues in Sachen Ortsumgehung gibt, so trug das Bromer Dauerthema am Freitagabend doch immerhin zu einer unterhaltsamen Ratssitzung des Fleckens bei. Hat der sachsen-anhaltinische Verkehrsminister Karl-Heinz Dähre beim Ministertreffen in Brome eine Zusage gemacht, dass sein Bundesland die Kosten für den Teil der Trasse jenseits der Landesgrenze übernehmen wird – oder handelte es sich nur um eine Absichtserklärung?

Hat der sachsen-anhaltinische Verkehrsminister Karl-Heinz Dähre beim Ministertreffen in Brome eine Zusage gemacht, dass sein Bundesland die Kosten für den Teil der Trasse jenseits der Landesgrenze übernehmen wird – oder handelte es sich nur um eine Absichtserklärung?Diese Frage wurde, sehr zum Missfallen der Ratsmehrheit ("Wortklauberei"), von Dr. Melanie Kieler (BLU) in den Mittelpunkt der Diskussion in den Bromer Stuben gerückt. Schließlich sei das doch der entscheidende Punkt, wenn man über eine Variante diskutiere, von der beträchtliche Teile durch das Nachbarland verlaufen würden. Bürgermeisterin Ingrid Klopp (CDU) konnte die am 2. April getätigte Minister-Aussage im Nachhinein nicht eindeutig interpretieren: "Zusage oder Absichtserklärung – das kann ich doch nicht wissen. Ich gehe davon aus, dass ein Minister zu seinem Wort steht." Gleichzeitig räumte sie ein, dass die Frage einer etwaigen Finanzierung in Sachsen-Anhalt wohl eine politische Entscheidung sein werde. "Vielleicht rufen wir Herrn Dähre mal an, dann wissen wir‘s", sagte Klopp leicht genervt. "Das werde ich tun." Kieler monierte derweil, als Ratsfrau erst am Freitag über das Ministertreffen, zu dem sie nicht eingeladen war, informiert worden zu sein: "Verdammt spät." Klopp wollte die Kritik an ihrer Informationspolitik nicht hinnehmen: "Mich hätte jeder anrufen können." Abseits solcher Nebenschauplätze ging es dann in der Einwohnerfragestunde noch einmal um das eigentliche Thema – und da wurde deutlich, dass die derzeitige Planung im Prinzip für den Papierkorb ist. Denn die vier engen Varianten (zwei im Norden Bromes, zwei im Süden), die, wie Klopp erläuterte, vorschriftsmäßig vom Landkreis zunächst geprüft werden müssen, will in Wirklichkeit niemand. Die Bromer Ratsvertreter waren sich mit Zuhörern aus Sachsen-Anhalt einig, dass die "große Lösung" gebraucht wird – also eine südlich oder nördlich von Benitz verlaufende Trasse. Die müsste, so wurde am Freitagabend von Nettgauer Ratsmitgliedern verdeutlicht, auch auf Belange des Ortes Mellin Rücksicht nehmen. Böse versicherte, man wolle "aus Mellin kein zweites Melbeck machen" – eine Anspielung auf die chronisch überlastete Ortsdurchfahrt vor den Toren Lüneburgs. Diese "große, länderübergreifende Lösung" kann nach Klopps Angaben allerdings erst geplant werden, wenn die anderen vier Alternativen vom Landkreis Gifhorn durchgeprüft sind. Ihrer Einschätzung nach wird "vor 2010 mit nichts zu rechnen sein". Ein Zuhörer wies darauf hin, dass man analog zu Mellin auch aus Voitze "kein zweites Melbeck" machen dürfe. Es zeichnet sich also ab, dass in der Samtgemeinde eine sehr, sehr weiträumige Umgehung gewünscht werden wird, die den Verkehr nicht in einer Ortsdurchfahrt branden lässt. Ein Blick auf die Karte zeigt: Auch Ehra wird nicht ein solcher Ort sein wollen – am Ende wird man wohl eine Trasse fordern, die im Westen direkt an die A39 anschließt. Das dürfte nicht ganz billig werden, denn die verläuft voraussichtlich "auf der anderen Seite" von Ehra. Erschienen: 23.04.2007: IK / 94 / Seite:5

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