Behindertenbeauftragter des Landes referierte in Molzen über das Thema Inklusion

Vielfalt als Bereicherung

Smalltalk mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann: Karl Finke, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen, hielt jetzt in Molzen einen Vortrag. Foto: Bautsch-Ludolfs

Uelzen-Molzen. „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer es verhindert will, sucht Begründungen. “Mit diesen Worten zitierte Karl Finke, niedersächsischer Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen, seinen Amtskollegen Hubert Hüppe, der als Beauftragter der Bundesregierung tätig ist.

„Auf dem Weg zur Inklusion – was ist zu tun?“ lautete das Thema des Vortrags im gut besuchten Gemeindehaus der Christus-Kirche in Molzen. Und das Fragezeichen sollte sich in richtungsweisende Antworten auflösen.

Zur Vorgeschichte: Die Grundschule Molzen wurde mit Beginn des Schuljahres 1991/92 nach einer Erweiterung des Gebäudes wieder selbstständig und hat sich im vergangenen Jahrzehnt auf den Weg zur inklusiven Arbeit gemacht. „Zum Schuljahr 2001/2002 wurde die erste Integrationsklasse eingerichtet und in den Folgejahren sukzessive aufgebaut“, blickte Schulleiterin Helga Nottorf zurück. „2008 gab es Umbaumaßnahmen. Diese Rahmenbedingungen erleichtern die Inklusion“, sagte Nottorf.

Ihren Worten zufolge fühlen sich alle Schüler akzeptiert, lernen angstfrei und erfahren damit Freude am Wissen und Können. „Wir haben festgestellt, dass Kinder, die inklusiven Unterricht besuchen, sich viel besser in die Welt und Gefühlslage anderer hineinversetzen und mit viel Empathie miteinander umgehen“, berichtete Nottorf. An der Schule sei ein wichtiger Grundstein für Inklusion gelegt, aber es sei klar, „dass der Aufbau eines inklusiven Bildungssystems eine große Herausforderung ist“.

In seinem Vortrag hielt Karl Finke zunächst Rückschau. Die Behindertenkonvention der UN stelle ein solides Fundament für die Rechte von Menschen mit Behinderungen dar, erklärte er. Vor diesem Hintergrund gelte es jetzt, „insbesondere durch die Mitbestimmung behinderter Menschen, die Vorgaben der Konvention hier in Niedersachsen umzusetzen“. Denn mit der Anerkennung sei die Bundesrepublik und somit auch Niedersachsen die Verpflichtung eingegangen, ein inklusives Bildungssystem einzuführen.

Das sei nur möglich, wenn ein generelles Umdenken, ein Wechsel der pädagogischen Perspektiven in der Gesellschaft und Schule vorgenommen werde. Der Weg führe von der Sonderschule hin zum konsequent gemeinsamen Unterricht in der Regelschule vor Ort. „Inklusion fordert mehr als Toleranz. Inklusion meint Verschiedenheit als Bereicherung und setzt von daher einen gezielt gewollten Umgang mit Vielfalt voraus“, betonte Finke.

In seinem Amt als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen wirkt er darauf hin, dass die gesetzlichen Vorgaben verwirklicht und beachtet werden. Diese reichen vom barrierefreien und gleichberechtigten Zugang über gemeinsame Erziehung und Unterricht bis zur Inklusion, „also Einbeziehung als Schule für alle“, so Finke. Und mehr noch: „Wir brauchen eine durchgängige inklusive Betreuungs- und Bildungskette von der Krippe über die Schule und Arbeitswelt bin hin zur Erwachsenen- und Weiterbildung.“

Der 1947 in Rethem (Aller) geborene Finke ist ein Umsetzer, einer der aufpasst, das alles richtig läuft, einer, der womöglich gegen manches Hindernis arbeitet. Und er ist jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, wie es ist, behindert zu sein – denn Finke ist blind. Und so engagiert sich der Diplom-Pädagoge und Verwaltungsmann als Vertreter im Inklusionsbeirat um die Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention für die Belange behinderter Menschen. „Wir setzen auf eine Gesellschaft des Miteinanders, wie es den Geist der UN-Behindertenrechtskonventions prägt“, bekräftigte er.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

Kommentare