Umgehung für die 13000?

Die Karte zeigt: Östlich von Wittingen sehen die Planer auch ohne sachsen-anhaltinisches Gebiet Möglichkeiten für die A39.

Von Holger BodenWittingen. Die seit vielen Jahren erhoffte Umgehungsstraße soll die Wittinger Ortsdurchfahrt vor dem Verkehrskollaps bewahren, wenn die A39 gebaut ist – das will der Ortsrat seiner Stellungnahme zum Bau der Autobahn hinzufügen. Die lautet ansonsten: "Keine Bedenken gegen die Vorzugstrasse."

Was bisher nicht gelungen ist, soll, so hofft man im Ortsrat, angesichts der Autobahn möglich werden: dass eine Wittinger Umgehung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans rutscht. Dort ist sie bislang nicht verzeichnet, und das heißt praktisch: keine Chance auf Realisierung.

Hintergrund der mit neuer Vehemenz aufgeflammten Umgehungs-Debatte sind Schätzungen, nach denen sich der Verkehr durch Wittingen aus Richtung Westen in etwa verdoppeln könnte (auf 13000 Fahrzeuge pro Tag), wenn die Vorzugsvariante umgesetzt und eine Anschlussstelle in Hafennähe gebaut wird. "Wenn ich an die langen Schaltzeiten der Nöhre-Ampel denke – das gibt Chaos", warf Carsten Smolla (FWG) einen bangen Blick voraus. Und Hanns Winkelmann sagte kategorisch: "Ohne Südumgehung kann ich dem nicht zustimmen."

Hildrun Mitschke (SPD), die sich auf Stadtebene bereits kritisch zur Vorzugsvariante geäußert hatte, brachte noch einmal eine östlichere Variante ins Spiel – mit Verweis darauf, dass bei einer Anschlussstelle im Osten der Stadt mit wesentlich weniger Fahrzeugaufkommen in der Ortsdurchfahrt gerechnet wird. Bauamtsleiter Albert Soltau hatte zuvor darauf hingewiesen – und das Argument war bereits in mehreren Sitzungen zu hören –, dass eine Planung, die einen teilweisen Verlauf der Trasse durch Sachsen-Anhalt einschließt, als kaum umsetzbar gilt. Allerdings: Wirft man einen Blick in die Detailkarten der Lüneburger Straßenplaner (www.strassenbau.niedersachsen.de), dann wird deutlich, dass es auch eine östliche Variante gäbe, die ohne Sachsen-Anhalt auskommt.

Mit einer Enthaltung wurde schließlich die Vorzugsvariante samt dem Umgehungswunsch befürwortet. Die Enthaltung kam von Mitschke: "Ich habe einmal die Hand gehoben für die A 39, bevor ich mir darüber im Klaren war, was das alles beinhaltet. Ich werde mich diesmal enthalten."

Damit spielte sie wohl unfreiwillig einem Bürger in die Karten, der in der Einwohnerfragestunde den Politikern vorwarf, nicht ausreichend informiert zu sein: "Bei den Bürgerinitiativen wissen sie wirklich Bescheid – da gucken sich die Ratsherren nur an." Eine andere Bürgerin wollte erklärt haben, warum der Rat für die Vorzugsvariante gestimmt habe, wenn doch ein hohes Verkehrsaufkommen für die Stadt erwartet werde. "Das kann ich jetzt auf die Schnelle nicht beantworten", sagte Trautmann zunächst, bevor er hinzufügte, dass man durch die Anschlussstelle am Hafen auf wirtschaftliche Impulse hoffe. Die Bürgerin beharrte, dass die Variante angesichts völlig unklarer Umgehungs-Perspektiven nachteilig für Wittingen sei.

Erschienen: 12.06.2006: IK / 134 / Seite:5

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