Toleranz

Wie tolerant sind Sie? Anders sein … ist normal!.

– Vorstellungsgottesdienst der Konfirmandinnen und Konfirmanden. In kleinen Gruppen sitzen sie um Plakate mit eben diesem Impuls und notieren ihre Einfälle. „Wer ist anders?“ - „Was ist normal?“

Schnell sind die Konfirmandinnen und Konfirmanden bei der Sache – das Thema ist aktuell. Sie kennen es! Ihre Antworten und Gedanken sind vielfältig. Begriffe wie Bildung, Herkunft, Obdachlosigkeit, Style tauchen auf. Aber auch Integration, Toleranz, Religion und Gerechtigkeit. Die Jungendlichen beginnen ihre unterschiedlichen Definitionen von dem zu formulieren, was sie darunter verstehen - „Anders sein ist normal!“

Eine Konfirmandin schreibt: „Ich habe eine andere Hautfarbe, eine andere Haarfarbe, eine andere Augenfarbe und eine andere Religion – aber ich bin total normal!“- Vor 2000 Jahren klang die Definition von Toleranz und Gerechtigkeit so: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau. Denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Sicher – Paulus schreibt hier nur von Menschen, die unterschiedliche Wurzeln haben im Glauben und in ihrer Herkunft. Er unterscheidet zwischen Mann und Frau. Allerdings bildet er das gesamte Spektrum von dem ab, wie sich die Menschen in seiner Zeit unterschieden sahen. Sein Zitat könnten wir heute mit den Begriffen der Konfirmandinnen und Konfirmanden fortschreiben. Unsere Toleranz gilt den Menschen ohne Obdach, denen mit Handicap, denen, die in vielfältigen Lebensentwürfen zusammen leben. Die List ist nicht hier bestimmt nicht zu Ende.

Paulus redet ihre Unterschiede nicht weg. Er akzeptiert sie. Allerdings nimmt er jede Bewertung daraus.

Gerade in Christus sieht er den, der Menschen miteinander verbindet und sie eint. So gewinnt unsere Vielfalt ihre Struktur.

Ein idealisierendes Bild und daher eher – unrealistisch? Ich denke nicht! Der Vergleich zwischen dem Zitat des Paulus und dem der Konfirmandin zeigt, dass Paulus recht hatte. Dass seine Aussage uns ein trag- und ein zukunftsfähiges Bild bietet, an dem wir weiter arbeiten!

Ein Konfirmand schreibt: „Egal, ob der Charakter verrückt oder besonders ist. Woher einer kommt oder wie er lebt. Es ist langweilig, wenn wir alle gleich wären.“

Michael Dierßen ist Pastor an der Georgsanstalt-BBS II. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im Internet unter az-online.de/lokales/kolumnen

Von Michael Dierßen

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