Voller Einsatz im steinernen Monster

Zwei zeitgleiche Sieger beim Hösseringer Turmlauf

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Mit neun Jahren war Enno Klautke der jüngste Läufer. Er kam in der beachtlichen Zeit von 1:08,7 Minuten an.

Hösseringen. Von außen sieht er einladend aus, doch er ist ein wahres Monster. 180 Metallstufen geht es auf einer Wendeltreppe hinauf, bis endlich in 32 Metern Höhe die Plattform erreicht ist. Unterwegs beginnen die Waden zu brennen, der Atem keucht, der Schweiß rinnt.

Doch das steinerne Monster, der Aussichtsturm bei Hösseringen, will im Sprint bezwungen werden. Und das haben 13 Starter beim traditionellen Turmlauf des VfL Suderburg am Dienstagabend wieder geschafft.

Niels Tümmler war Zeitnehmer und Mitorganisator des Turmlaufs – und siegte am Ende gemeinsam mit Sebastian Lange.

„Zieh, zieh, zieh!“, ruft Mitorganisator Niels Tümmler, der mit einer Stoppuhr in der Hand auf der Plattform steht, jedem Läufer von oben zu. Metallisch hallen die Schritte durch das Treppenhaus, garniert mit dem Donnergrollen eines aufziehenden Gewitters.

Erster Starter ist Sebastian Lange. Der 29-jährige Suderburger, der inzwischen in Lüneburg lebt, kommt in handgestoppten 33,5 Sekunden an. „Das ist eine sehr steile Vorlage“, meint Tümmler. Dabei hatte sich Lange, im Vorjahr Sieger in 32,84 Sekunden, diesmal gar nicht so fit gefühlt. „Ich habe zurzeit Heuschnupfen. Außerdem wiege ich zehn Kilo mehr als vor einem Jahr. Und das sind nicht alles nur Muskeln“, erzählt er und lacht.

Nach ihm sprintet Frank Schwede die zehn Stockwerke des Turms hinauf. Außer Atem erreicht er in 42 Sekunden die Plattform. „Das nimmt und nimmt kein Ende“, japst er im Ziel. „Das liegt an der Schirmmütze, die hättest du abnehmen sollen“, scherzt Tümmler und zeigt auf Schwedes Kopfbedeckung.

Der jüngste Läufer an diesem Abend ist Enno Klautke. 1:08,7 Minuten zeigt die Stoppuhr, als der neunjährige Suderburger oben ankommt. Tümmler nickt anerkennend. In ein paar Jahren kratzt Enno womöglich an der Bestmarke von 32 Sekunden, die Tümmler einst aufgestellt hat. Dessen Sohn Lillebror Ole legt ebenfalls eine beachtliche Zeit hin: 34,8 Sekunden – der 16-Jährige ist zufrieden.

Das gilt auch für Götz Schimmack, mit 73 Jahren der älteste Läufer. Er will seine Vorjahreszeit von 1:10 Minuten unterbieten und hat sich vor dem Start mit Traubenzucker gestärkt. Und das hilft: Nach 1:06 Minuten kommt er erschöpft, aber glücklich ins Ziel. Diesmal hat er zur Unterstützung die Handläufe der Treppe genutzt. „Das bringt unheimlich viel“, erklärt er.

Einen spektakulären Lauf zeigt Uwe Klautke, Vater von Enno. Mit 33,6 Sekunden landet er nur einen Wimpernschlag hinter Sebastian Lange. Steht der Sieger damit fest? Gespannt blicken alle auf den letzten Starter, Niels Tümmler. Und der 50-jährige Bargfelder packt es tatsächlich noch und kommt in 33,5 Sekunden –und damit zeitgleich mit Lange – an. Zum ersten Mal gibt es damit zwei Sieger beim Turmlauf. Lange verrät sein Erfolgsrezept: „Mit dem rechten Arm ordentlich am Handlauf hochziehen und zwei Stufen auf einmal nehmen.“

Einen Preis erhalten die Sieger übrigens nicht, dafür bekommt jeder Läufer eine Urkunde. Tümmler grinst: „Die Siegprämie gibt es heute in Form einer Flasche Selters.“

Von Bernd Schossadowski

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