Erstmals seit 150 Jahren: Tierischer Nachwuchs bei Munster

Wuselnde Wolf-Welpen

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Erwischt: Auf Flächen des Bundesforstbetriebes Lüneburger Heide fotografierte eine Fotofalle die ersten in Niedersachsen geborenen Wolfswelpen seit 150 Jahren.

Munster/Unterlüß. Die Vermutung ist zur Gewissheit geworden: In der Lüneburger Heide gibt es drei Wolfswelpen. „Es ist das erste Rudel seit 150 Jahren“, freut sich Theo Grüntjens, Förster bei Rheinmetall in Unterlüß und Wolfsexperte.

Bisher hatte er immer sporadische Hinweise auf ein Tier im westlichen Landkreis Uelzen bekommen. Er ist überzeugt, dass es sich dabei um das Tier handelt, dass nun auf dem Truppenübungsplatz in Munster für Nachwuchs gesorgt hat.

Die jungen Wölfe tappten in eine Fotofalle. Auf dem Truppenübungsplatz Munster waren vor einigen Tagen eine Wölfin mit geschwollenem Gesäuge sowie ein Futter tragendes Tier beobachtet worden – beides Hinweise auf die Aufzucht von Welpen. Über die Herkunft der niedersächsischen Wölfe ist bisher wenig bekannt. Erkenntnisse dazu würden von genetischen Analysen der Exkremente erwartet, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Als sehr wahrscheinlich gelte, dass das Muttertier von einem Wolfsrudel aus Sachsen stamme. Es sei kein Problem für junge Wölfe, aus dem Grenzgebiet Polens bis nach Niedersachsen zu wandern. „Ein Rudel hat ein Einzugsgelände von 250 000 Hektar“, weiß Grüntjens. Deshalb tauchen die Tiere hin und wieder auch im benachbarten Landkreis Uelzen auf. In Niedersachsen sind seit 2006 einzelne Wölfe in der Lüneburger Heide, im Wendland und in der Grenzregion zu Hessen gesehen worden. Grüntjens geht davon aus, dass zwei Tiere im Landkreis Uelzen umherstreifen. Der eine bevorzugt den Westkreis, der andere den Ostkreis. Die Welpen, so Grüntjens, werden ab einem Alter von 15 Monaten beginnen, zu wandern. „Sie werden aber oft in der Nähe bleiben“, sagt der Wolfsexperte.

Der NABU Niedersachsen sieht in der Rückkehr des Wolfes eine beispiellose Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Dr. Holger Buschmann: „Im Mittelalter Symbol für Raub und Mord, wissen wir heute durch die wissenschaftliche Forschung, dass dieses Bild nicht stimmt. Die Tatsache, dass wir den Wolf heute wieder akzeptieren, ist ein Beleg für eine viel positivere Wahrnehmung der Natur in unserer Gesellschaft“.

Von Jörn Nolting

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