„Kurti“ beim Osterausflug?

AZ-Leser filmt Wolf auf der B 71

Hansen/Bohlsen. Bei einer groß angelegten Vergrämungsaktion Anfang März war der schwedische Wolfsexperte Jens Karlsson dem Wolfsrüden „Kurti“ aus dem Munsteraner Rudel auf den Fersen, ohne dass er sich dem Tier wirklich nähern konnte, um Gummigeschosse abfeuern zu können.

Der Wolf, der sich immer wieder Menschen und Wohngebieten näherte, verhielt sich plötzlich scheu. Nun hat das Tier womöglich seinem zweifelhaften Ruf wieder alle Ehre gemacht.

Am Ostermontag filmt Karsten Senft aus dem Auto heraus einen besenderten Wolf – es ist „Kurti“ oder seine Schwester.

Am Ostermontag gegen 8 Uhr hat der Spielertrainer des TSV Lehmke, Karsten Senft, auf der Bundesstraße 71 zwischen Hansen und Bohlsen einen kräftigen Wolf mit Halsband und Senderkartusche mit der Handy-Kamera filmen können. „Autos waren außer unseres keine unterwegs“, so Senft. Das Tier trottete die Fahrbahn entlang und als es das Auto von Senft bemerkte, drehte es sich zu diesem immer wieder um und näherte sich ihm auch bis auf wenige Meter, um dann seinen Weg fortzusetzen – auf dem Fußweg in Richtung Bohlsen.

Wie der Wolfsberater Theo Grüntjens aus Suderburg erläutert, gebe es zurzeit zwei mit Sendern versehene Wölfe in Niedersachsen. Dabei handelt es sich um „Kurti“ – Grüntjens hält nichts von diesem Kosenamen – und seine Schwester aus dem Munsteraner Rudel. Und mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ sei das Tier auf dem Video einer der beiden besenderten Wölfe, die knapp zwei Jahre alt seien. Nur schwer, so Grüntjens, lasse sich es bei einem vorbeiziehenden Wolf bestimmen, ob es sich um eine Fehe oder einen Rüden handele. Das Verhalten des Wolfes zeige, dass er seinen Lebensraum beobachte und bei einem Kontakt mit einem Auto oder mit Menschen diese nicht als Bedrohung wahrnehme.

Als Bedrohung hat seinerseits auch Karsten Senft, der mit seiner Frau nach Lüneburg wollte, die Begegnung mit dem Wolf nicht empfunden. „Wenn gewollt ist, dass die Tiere hier leben, dann müssen wir auch damit rechnen, dass wir ihnen begegnen“, sagt Senft im AZ-Gespräch. Das Video veröffentlicht er noch am Montag bei Facebook, zig Mal wird es geteilt. Verfasste Kommentare lauten unter anderen „Wow...War der aber schön. Würde ich auch gern mal sehen...“ und „Um so öffentlicher gemacht, um so geringer seine Überlebenschance....auch mit Sender.“

Leserbrief zu diesem Artikel:

"Berät ein Berater Wölfe?"

Für Grüntjens steht fest, dass Vergrämungsversuche bei diesem Tier bisher erfolglos waren. Das Video soll dazu dienen, mehr über die besenderten Wölfe zu erfahren.

Von Norman Reuter

Rubriklistenbild: © Privatvideo/ Screenshot: AZ

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