Raubtier taucht beim Mulchen in Hösseringen auf / Rothirschkalb auf Stoppelfeld gerissen

Wolf verfolgt Landwirt

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Kein schöner Anblick: Höchstwahrscheinlich ein Wolf hat dieses Rothirschkalb bei Hösseringen gerissen.

Hösseringen. Die Zahl der Wolfssichtungen im Kreis Uelzen nimmt stetig zu. Und es tauchen immer mehr Kadaver von Tieren auf, die offenbar von Wölfen gerissen wurden.

So zum Beispiel vor wenigen Tagen auf einem Stoppelfeld nahe der Straße „Am Bötzelberg“ südlich von Hösseringen. Dort entdeckten Spaziergänger ein totes Rothirschkalb.

„Nach Sichtung des Fährtenbildes und der Art, wie das Stück angeschnitten wurde, war es sofort als ein Wolfsriss zu erkennen“, sagt Klaus Ripperger, Leiter des Rotwildhegerings Suderburg, der etwa 250 Meter von der Fundstelle entfernt wohnt. Er berichtet von zahlreichen Wolfssichtungen in den vergangenen Wochen. Nicht nur seien mehrfach Wölfe von Wildkameras fotografiert worden, in einem Fall habe sich ein Wolf sogar einem Menschen genähert, so Ripperger.

Der Vorfall habe sich vor etwa zwei Wochen auf einem Feld zwischen dem Museumsdorf Hösseringen und der Bundesstraße 191 ereignet. „Ein Landwirt hat mir erzählt, dass er gerade beim Mulchen war, als ein Wolf hinter seinem Trecker hergelaufen ist. Der Mann hat dann seine Kamera von zu Hause geholt und das Tier fotografiert“ berichtet der Hegeringleiter im AZ-Gespräch.

Bei Ripperger schrillen angesichts dieses Vorfalls die Alarmglocken. „Ich bin erschreckt über die Zutraulichkeit des Wolfes. Er hat nicht die Flucht ergriffen und die Distanz zu den Menschen vermissen lassen, die diesem Wildtier eigentlich zugeschrieben wird“, sagt er. Dieses Verhalten rücke die Diskussion um den Wolf in ein neues Licht.

Zudem könne die fehlende Scheu des Wolfes schlimme Folgen für Menschen haben, befürchtet er. Denn ganz in der Nähe des Stoppelfelds, auf dem jetzt das Rothirschkalb gefunden wurde, verlaufe ein Wanderweg, der regelmäßig von Spaziergängern und Müttern mit Kindern genutzt werde.

Auch andere Tiere spüren laut Ripperger die Anwesenheit des Wolfes. So habe ihm der Halter einer Rinderherde, deren Weide sich 50 Meter neben dem Stoppelfeld am Bötzelberg befindet, von merkwürdigem Verhalten seiner Kühe berichtet. „Sie haben sich auf einen Fleck zusammengestellt und starr auf eine bestimmte Stelle geblickt“, schildert Ripperger. Er vermutet, dass die Kühe einen oder mehrere Wölfe gesehen hatten.

Vorsichtiger in seiner Bewertung ist dagegen Wolfsberater Theo Grüntjens. Er hat das verendete Hirschkalb bei Hösseringen untersucht und eine DNA-Probe entnommen. Diese wurde über das niedersächsische Umweltministerium an ein Forschungsinstitut zur Untersuchung weitergeleitet. „Es spricht einiges dafür, dass ein Wolf das Hirschkalb gerisssen hat“, erklärt Grüntjens auf AZ-Anfrage. Auch aufgrund mehrerer Sichtungen in der Nähe des Fundortes sei „die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass es ein Wolf war“. Genaueres lasse sich aber erst sagen, wenn die DNA-Probe analysiert sei. Das Ergebnis lag gestern nach Auskunft einer Sprecherin des Umweltministeriums noch nicht vor.

Von Bernd Schossadowski

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