Berater Theo Grüntjens stellt typische Spuren fest / Fotonachweis bei der Rückkehr zum Kadaver

Wolf reißt Kalb bei Eimke

Auf einem Weidegelände westlich von Eimke hat ein Wolf am Sonntagnachmittag ein Kalb gerissen. Wolfsberater Theo Grüntjens fotografierte ihn, als er später noch einmal zum Kadaver zurückkehrte.
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Auf einem Weidegelände westlich von Eimke hat ein Wolf am Sonntagnachmittag ein Kalb gerissen. Wolfsberater Theo Grüntjens fotografierte ihn, als er später noch einmal zum Kadaver zurückkehrte.

Eimke. „Schade. “ Wolfsberater Theo Grüntjens informiert die AZ gestern darüber, dass der Wolf erneut zugeschlagen hat. Sein Opfer: ein gut halbjähriges Kalb. Es wurde am Sonntagnachmittag auf einer Viehweide westlich von Eimke gerissen.

Grüntjens hat den Kadaver begutachtet und den vermeintlichen Täter, einen relativ starken Wolf, wenig später in flagranti erwischt, als dieser erneut auf seinen Fang zusteuerte.

„Die Spuren am Stück waren wolfstypisch“, berichtet Grüntjens. Mit einem gezielten Biss in die Kehle hat Isegrimm sein Opfer getötet, anschließend den Bauch geöffnet, ohne dabei den Pansen zu verletzen. Einzelne Rippen hat er mit seinem starken Gebiss durchtrennt und die besten Happen von Rücken und Keule verschlungen.

Aus Grüntjens’ Sicht handelt es sich um einen Ausnahmefall. „Sieben Jahre lang gab es kein Problem. Wenn das Muttertier dabei ist, traut sich der Wolf nicht ran“, sagt der Wolfsberater. In diesem Fall aber waren zwei Kälber ausgebüxt, als der Landwirt die Herde vor zwei Wochen von der Weidefläche trieb, um sie in den Stall zu transportieren.

Weitere Versuche, die Jungtiere mit Futter einzufangen, scheiterten. Grüntjens weiß um die Probleme der Tierhalter: „Die Herden sind durch die Wolfsattacken auf Alarm gestellt.“ Erschwerend kam hinzu, dass Teile des gut 20 Hektar großen Weidegeländes wegen der Feuchtigkeit nicht betreten und befahren werden konnten. Allein hatte das etwa 280 Kilo schwere Kalb, eine Mischung aus den Fleischrassen Black Angus und Charolais, keine Chance gegen das Raubtier. Das zweite Jungtier wurde nun mittels Betäubungsschuss eingefangen und in Sicherheit gebracht.

Vom Kadaver hat Grüntjens eine DNA-Probe genommen, die für die Begutachtung durch den zuständigen Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) notwendig ist. Wegen der eindeutigen Umstände könne der Landwirt aber mit zügiger Entschädigung durch das Land Niedersachsen rechnen, meint Grüntjens.

Rinderherden galten bislang als nicht gefährdet. Erwachsene Tiere, erst recht Kühe, die ihre Kälber verteidigen, können dem Wolf mit ihren Hörnern oder durch Tritte schwere Verletzungen zufügen. Der erste bestätigte Fall, in dem ein Wolf zwei Jungrinder gerissen hatte, wurde im August aus Lamstedt im Landkreis Cuxhaven gemeldet. Die drei Schafe, die Ende August, Anfang September in Eimke getötet wurden, gehen auf das Konto eines Hundes.

Der Wolf, der jetzt zugeschlagen hat, stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Rudel auf dem Rheinmetall-Schießplatz. Dort waren im April in einer Erdhöhle drei Welpen zur Welt gekommen. Bis zum Frühjahr werden sie vermutlich ihre Eltern verlassen.

„Schade.“ Das Wort wiederholt Grüntjens. „Schade, dass der Wolf gelernt hat, dass er ein Kuhkalb fangen kann.“

Von Gerhard Sternitzke

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