Rudel vom Truppenübungsplatz hat Scheu verloren / Wolfsberater fordert Ministerium zum Handeln auf

Wölfe verfolgen Reiter

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Reiterin Josephina Doose wurde in der Nähe der Ellerndorfer Heide von vier bis fünf Wölfen verfolgt: „Die vorderen schlichen sich an, in geduckter Haltung, als hätten sie Beute gesichtet.“

Ellerndorf. Der Schreck steckt Josephina Doose immer noch in den Knochen. Die 25-jährige Ellerndorferin war mit einer Freundin ausgeritten, da bemerkte sie, dass ihr vier oder fünf Wölfe folgten – zwar mit etwa 150 Metern Abstand, aber doch zielstrebig.

„Die vorderen schlichen sich an, in geduckter Haltung, als hätten sie Beute gesichtet“, erinnert sich die Studentin an den Vorfall, der sich bereits am Ostermontag auf einem Acker in unmittelbarer Nähe der Ellerndorfer Heide ereignete. Die Reiterinnen galoppierten zurück.

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Irgendetwas ist anders bei dem Rudel vom Truppenübungsplatz Munster, beobachtet Wolfsberater Theo Grüntjens. „Irgendwo muss was passiert sein, dass sie die Nähe zum Menschen suchen.“ Bei Lopau hatte eine Hundehalterin eine unheimliche Begegnung mit Wölfen, bei Brambostel dokumentierte ein Landwirt mit dem Handy, wie fünf Wölfe ihn auf seinem Traktor kurzzeitig umkreisten. Das ist untypisch: „Die Wölfe vom Schießplatz sehen Sie nur nachts mit Hilfe von Fotofallen.“

Seit Wochen drängt Grüntjens deshalb das Umweltministerium in Hannover, auf das auffällige Verhalten, die fehlende Scheu des Rudels zu reagieren. „Ich kann nicht ausschließen, dass aus der Nähe zum Menschen Aggression wird“, gibt der Förster zu bedenken. „Ich erwarte konkrete Maßnahmen. Die Jungwölfe wandern in den nächsten Wochen ab, und bis dann sollten wir wissen, was passiert.“ Diese Maßnahmen müssen aus seiner Sicht erreichen, dass sich die Wölfe dem Menschen nicht nähern.

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Zunächst reagiert das Ministerium mit einer Untersuchung. Neben den Wolfsberatern, die alle Vorfälle dokumentieren, sind weitere Experten beauftragt. Dabei sei man auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, betont Grüntjens. „Wir brauchen jede Sichtung und so schnell wie möglich, weil man dann daraus Reaktionen ableiten kann.“ So könne es sein, dass ein Wolf mit einem Narkoseschuss betäubt und anschließend mit einem Sender ausgestattet werde.

Chefredakteur Thomas Mitzlaff schreibt über den Wolf und die Emotionen.

Für die nächste Zeit bis zur Entscheidung des Umweltministeriums gibt der Wolfsberater Vorsichtsmaßregeln für den Westen des Landkreises, wo Wölfe vom Truppenübungsplatz unterwegs sind: „Lasst die Pferde nicht in der Nacht auf die Weide! Reitet nicht im Wald, in der offenen Flur kann man reiten, da kann man sich zurückziehen“, rät Grüntjens. „Wer in dem Gebiet unterwegs ist, soll Pfefferspray mitnehmen. Er wird es nie brauchen.“

Der Ärger mit den Munsteraner Wölfen, die sich nicht verhalten, wie sie sollen, bringt den Förster nicht von seiner Grundeinstellung ab: „Trotzdem liebe ich die Wölfe. Für mich sind sie Wildtiere, die eine Lebensberechtigung haben.“ Allerdings mit der Einschränkung, dass Menschen sich gefahrlos bewegen können.

• Kontakt für Wolfsmeldungen: (01 72) 7 66 88 41, gruentjens-theo@t-online.de.

Von Gerhard Sternitzke

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