Die AZ blickt hinter die Kulissen: Heute zeigt Ilse Holst das Schwimmbad in Wichtenbeck

„Wir sind schon stolz auf unser Bad“

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Hinein ins kühle Nass: Wenn die Temperaturen steigen, dann steigt auch die Zahl der Besucher wie in diesem Jahr über Pfingsten.

Wichtenbeck. Das Wasser plätschert ins Schwimmbecken, die Sonne scheint und die Türen der Kabinen stehen offen. Doch weit und breit ist kein Badegast in Sicht. Kein Wunder, denn schließlich ist es 10 Uhr morgens und die Kinder der Umgebung sitzen in der Schule.

Doch nicht nur das: „Die Heizung ist komplett ausgebaut“, erklärt Ilse Holst, ihres Zeichens stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Eimke und verantwortlich für das gemeindeeigene Schwimmbad. Sie, ihre Tochter Heike und ihr Schwiegersohn Björn Busenius halten das kleine Bad am Laufen. Und das bedeutet tägliche Arbeit. Zweimal am Tag muss die Wasserqualität gemessen werden. „Das macht Björn“, sagt Ilse Holst und zeigt einen Ordner, in dem fein säuberlich die Ergebnisse der ph- und Chlor-Werte sowie die Wassertemperaturen und die Zeiten der Filterreinigung dokumentiert sind. Bei bestem Badewetter müssen die Filter mehrmals gespült werden. „Dreimal im Jahr kommt ein Vertreter des Landkreises vorbei und kontrolliert das gesamte Bad“, sagt Holst. Dort holt sie sich auch bei Ausnahmesituationen Ratschläge. „Im vergangenen Jahr schwamm ein toter Fuchs im Becken. Da mussten wir dann das gesamte Wasser ablassen“, erinnert sich die Wichtenbeckerin. Sie hat seit inzwischen zwölf Jahren die Verantwortung für das 25 mal neun Meter große Schwimmbecken und das sechs mal acht Meter große Planschbecken. „Vorher hat es Otto Feige gemacht. “.

Auf 5000 bis 6000 Euro belaufen sich die jährlichen Kosten für die Gemeinde, um das Bad zu unterhalten. Dafür ist es eine Art Dorfmittelpunkt geworden. „Es gibt keine Kneipe mehr im Dorf, da sitzen auch die alten Leute immer gern am Becken“, weiß Ilse Holst. Und die anfallenden Arbeiten werden aufgeteilt: Alle drei Wochen wird Schwimmbad und Spielplatz gemäht, alle zwei Jahre das Becken neu gestrichen. Es finden sich immer Freiwillige. „Es ist alles ehrenamtlich organisiert. Nicht einen Pfennig bekommen wir dafür“, schildert Holst. Um 20 Uhr werden die Kabinen und Toilette abgeschlossen. Doch trotzdem kommt es vor, dass auch nachts gebadet wird – gerade im Hochsommer. Das allerdings scheint niemanden zu stören und die Verantwortlichen schauen großzügig darüber hinweg.

Eine Badeaufsicht ist nicht notwendig, denn die Wassertiefe beträgt maximal 1,40 Meter. „Eltern haften für ihre Kinder“, betont die Wichtenbeckerin. Ihr Schwiegervater August Holst war einer der Initiatoren des Wichtenbecker Freibades. Im Hinblick auf die bevorstehende Gebietsreform 1972 entschlossen sich der damalige Wichtenbecker Bürgermeister Albert Carstens und August Holst, das „Gemeindesäckl” nicht in einen gemeinsamen Topf mit einfließen zu lassen. Eine Idee musste her, um möglichst viel Geld in kurzer Zeit sinnvoll zu investieren. So kam man auf den Dreh, in Wichtenbeck ein Freibad zu errichten. In Eigenleistung wurde das Bad gebaut. „Das Becken steht auf Betonringen, weil es hier so sumpfig ist“, weiß Ilse Holst, „das kann und konnte man nur schaffen, wenn alle mit anpacken und sich alle einig sind.“

Im Oktober werden die Vorbereitungen für den Winter getroffen. In die Waschbecken und Toiletten kommt eine ordentliche Ladung Frostschutz und die zentrale Wasserzufuhr wird ausgestellt.

Doch jetzt fällt der Blick auf den bevorstehenden Sommer und hoffentlich gutes Wetter. „Wir hatten dieses Jahr schon 23 Grad“, sagt Ilse Holst. Pfingsten war ordentlich was los, aber im Moment eben nicht so viel. „Wir sind schon stolz auf unser Bad“, sagt die Wichtenbeckerin und blickt zufrieden über die gesamte Anlage mit kleinem Fußballfeld, Beachvolleyball- und Basketballplatz.

Von Jörn Nolting

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