„Wietze wird kommen“

Nur 0,5 Prozent des verkauften Hähnchenfleisches stammt aus ökologischer Haltung. 99,5 Prozent werden konventionell erzeugt und in Großschlachtereien geschlachtet.

Groß Süstedt/Landkreis - Von Jörn Nolting. Der Vergleich mit dem Emsland hinkt – das sagt der Kreislandwirt und Bauernverbands-Vorsitzende Thorsten Riggert im Rahmen der Diskussion rund um die Hähnchenmast in Varbitz. Eine so dünne Besiedelung an Tierbeständen wie im Landkreis Uelzen gibt es kaum in der Bundesrepublik. Wird die Großschlachterei in Wietze im Landkreis Celle gebaut – und Thorsten Riggert begrüßt dieses Vorhaben – dann rechnet er im Landkreis Uelzen mit einer Anzahl von rund zehn neuen Hähnchenmastställen – mehr nicht.

„Die Vermarktung und das Risiko liegen bei den Bauernfamilien“, sagt der Kreislandwirt und merkt an, dass es durch die Errichtung der Ställe zu einem Kreislauf in der Landwirtschaft kommen könne. „In Cloppenburg und Vechta fällt dermaßen viel Dung ab, dass viele Landwirte aus unserer Region diesen kaufen und auf den Feldern ausbringen“, erläutert Riggert.

Die Tierproduktion sieht der Bauernverbands-Vorsitzende als Alternative für viele Landwirte und skizziert die Gesamtsituation: „Wir leben in einem freien Staat. Kein Kunde ist gezwungen, etwas zu kaufen, was er nicht will.“ 0,5 Prozent des verkauften Hähnchenfleisches stammt aus ökologischer Haltung. „Wenn es darüber hinaus eine Nachfrage gäbe, dann wäre auch die Nachfrage der großen Einkaufsmärkte vorhanden und der Preis würde steigen“, erläutert der Kreislandwirt. Seine logische Schlussfolgerung: Wären die Preise höher, würden mehr Landwirte der erhöhten Nachfrage nachkommen.

„Andersrum passt es jedoch nicht“, sagt Riggert. „Die Landwirte können nicht produzieren, was der Markt nicht verlangt. Man kann dem Verbraucher nicht vorschreiben, was er zu kaufen hat.“ Der Kunde orientiert sich vor allem am Preis.

„Wietze wird kommen“, prophezeit der Bauernverbands-Vorsitzende, „aber auch, wenn nicht, dann gäbe es genügend alternative Schlachthöfe für Landwirte, die in die Hähnchenmast einsteigen wollen.“ 150 Mastställe in einem 150-Kilometer-Umkreis wären ausreichend für das Vorhaben im Nachbarlandkreis und die Entfernung zur Schlachterei wäre dann immer noch wirtschaftlich.

Baugesetze regeln wiederum die „Grenzen der Zumutbarkeit“ für die Anwohner – auch in Varbitz. „Wir sollten die Diskussionen auf der örtlichen Ebene belassen“, appeliert Riggert. Ein Grund, weshalb er nicht an der Podiumsdiskussion der Varbitzer Bürgerinitiative teilgenommen hatte. Außerdem, so der Bauernverbands-Vorsitzende, ist ein Landwirt immer daran interessiert, seine Tiere gut zu behandeln. Treten Krankheiten oder ähnliches auf, wird es teuer für den Tierhalter. Regelmäßige, unangemeldete Kontrollen sorgen für Sicherheit.

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