Bargfelder Armin Kriegel bekam nach über 40 Jahren Besuch von Wolfgang Scheuber aus Valparaiso

Ein Wiedersehen alter Seebären

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Auf dem Frachter Bieberstein des Norddeutschen Lloyd fuhren Armin Kriegel und Wolfgang Scheuber in den 60er Jahren gemeinsam zur See. Hier ist das Schwesterschiff, die baugleiche Blankenstein, zu sehen.

Bargfeld/Valparaiso. 1969 im Hamburger Hafen: Armin Kriegel, erster Koch an Bord der Bieberstein, einem Frachter des Norddeutschen Lloyds, will zu seinem nächsten Törn nach Südamerika an Bord gehen.

Armin Kriegel (rechts) an Bord der Bieberstein in seinem Reich, der Kombüse. Dort kochte er gemeinsam mit Wolfgang Scheuber für die 50-köpfige Besatzung.

„Plötzlich sehe ich da meinen Schiffskameraden Wolfgang Scheuber mit Koffern stehen. Und er sagt mir: ’Ich wandere aus nach Valparaiso‘“, erzählt der Bargfelder. Jetzt, 57 Jahre später, hat ihn Scheuber überraschend in Bargfeld besucht.

Abends gegen 22 Uhr sei der Anruf gekommen und Wolfgang habe ihm gesagt, er komme morgen mal vorbei. Ungefähr drei Stunden dauert der Besuch. „Wir hatten so viel zu erzählen, da habe ich im Eifer des Gefechts vergessen, ein Foto zu schießen“, sagt Kriegel. Es war das erste Wiedersehen nach über 40 Jahren. Aber schon vor dem Besuch war der Kontakt zu Scheuber nicht abgebrochen. Auf jeder seiner Südamerikafahrten, die ihn ins chilenische Valparaiso geführt haben, habe Kriegel ihn besucht, der zuvor als Kochsmaat in seiner Kombüse an Bord der Bieberstein arbeitete. Außerdem hätten sie regelmäßig miteinander telefoniert.

Wolfgang Scheuber (rechts) wanderte 1969 nach Chile aus. Später gründetet er in Valparaiso das deutsche Restaurant „Hamburg“.

Scheuber war in Valparaiso nicht untätig: Seine erste Arbeit begann er bei einem deutschen Schlachter. Später gründete der gebürtige Thüringer, der 1960 aus der DDR geflohen war, ein deutsches Restaurant in Valparaiso und nannte es Restaurant „Hamburg“. Inzwischen genieße das „Hamburg“ Kultstatus in Valparaiso und sei noch heute ein beliebter Treffpunkt für Seeleute. Warum Scheuer in Valparaiso landete? „Mir haben drei Länder gefallen, weil es dort freundliche Menschen gibt: Chile, Kolumbien und Indonesien. Letzlich ist es halt der Andenstaat geworden“, sagt er der AZ am Telefon.

Kriegel selbst fuhr bis 1973 zur See, bis er der Liebe halber an Land blieb und einige Veränderungen erlebte. „Ende der 60er kamen die ersten Container. Aber die spielten noch keine große Rolle“, erzählt der Bargfelder. Auf dem Schiff habe man ein oder zwei mitgenommen, die restliche Ladung sei in Kisten und Säcken verstaut gewesen. Auch die Besatzung sei größer gewesen, ungefähr 50 Mann habe sie auf der Bieberstein gezählt. „Allein in der Kombüse waren wir drei Mann plus Bäcker“, erklärt der gelernte Schlachtermeister. Damals habe man noch alles frisch zubereitet.

Auch der Aufenthalt in den Häfen habe länger gedauert. „Im persischen Golf wurde damals noch das Schiff mit kleinen Segelschiffen entladen, weil es nur in Kuwait einen Kai gab“, berichtet er. Seine Fahrten hätten ihn nach Nord- und Südamerika sowie bis nach Indien geführt. „Ich kam mir dabei vor wie Kolumbus“, sagt Kriegel.

Von Lars Lohmann

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