Sitzung geplatzt: Samtgemeinde versäumt Ladefrist / Gemüter in Gerdau kochen hoch

„Werden von vorne bis hinten verarscht“

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Keine Information: Im Schaukasten der Gemeinde hing auch Dienstagabend keine Bekanntmachung zur Sitzung.

Bargfeld/Gerdau. Nicht einmal zehn Minuten dauerte die Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses der Gemeinde Gerdau am Dienstagabend. Der Grund: Die Samtgemeinde Suderburg hatte die Ladungsfrist versäumt.

„Das ist schon unangenehm“, gab Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz sichtlich beschämt zu. Ausgerechnet Ausschussmitglied Torsten Suderburg (CDU), der auch für den öffentlichen Aushang in der Gemeinde zuständig ist, hatte seine Einladung erst am Morgen des Sitzungstages im Briefkasten gefunden. Das Resultat des Versäumnisses: Ausschussmitglieder und Bürger gingen unverrichteter Dinge wieder. Einen Aushang suchten Gerdauer bis nach Abbruch der Sitzung, um 19. 20 Uhr, im Schaukasten der Gemeinde vergebens. Im September soll die Sitzung nachgeholt werden.

„Weil es ein brisantes Thema ist, wollten wir uns nicht angreifbar machen“, begründete Ausschussvorsitzende Elvira Hentschke (CDU) die Vertagung. Die Verwaltung entschuldigte sich gestern auf der Internet-Seite für den „schwer wiegendenden Fehler“, der „aufgrund eines Versehens“ zustande gekommen sei. „Dieses führte dazu, dass die dortige Bevölkerung rechtlich keine Kenntnis von der Sitzung hatte – quasi ausgeschlossen war. Dieses war umso gewichtiger, als es in der Sitzung um einige Anträge der Gerdauer SPD-Fraktion gehen sollte, die derzeit in der Bevölkerung zu erheblichen Diskussionen führen“, heißt es auf der Homepage der Gemeinde Samtgemeinde Suderburg.

Die SPD und die Grünen hatten gemeinsam per Antrag um Aufklärung hinsichtlich mehrerer privater Bauvorhaben gegeben: Im Bereich der Gemeinde Gerdau werden derzeit zwei Schweinemastställe (in den Gemarkungen Bohlsen und Barnsen) geplant und die Erweiterung einer Hähnchenmastanlage (in Holthusen II) angedacht.

Genehmigungsbehörde aller drei Vorhaben ist der Landkreis Uelzen. Die Samtgemeinde Suderburg muss zum Brandschutz Stellung nehmen, die Gemeinde Gerdau zur Sicherung der Erschließung. Nach Auskunft von Gerdaus Bürgermeister Otto Schröder (CDU) wurde der Schweinemaststall im Außenbereich der Gemarkung Bohlsen inzwischen genehmigt. Der Stall in der Gemarkung Barnsen liege mit positivem Gutachten von Samtgemeinde und Gemeinde beim Landkreis. Die Hähnchenmastanlage in Holthusen II sei indes noch nicht beantragt.

Informationen, die SPD und Grünen schlicht fehlen. „Man will uns bewusst hinhalten. Man nimmt uns nicht ernst“, sagt Ausschussmitglied Wolfgang Hahnemann (SPD). Er hätte sich im Vorfeld der Genehmigungen der Gemeinde, öffentliche Info-Veranstaltungen zu den Bauvorhaben gewünscht. Dass zwischen Antrag und Einberufung des Ausschusses mehr als fünf Wochen vergingen, kann er schlicht nicht fassen. Die versäumte Ladung ist für ihn das I-Tüpfelchen: „Wir haben das Gefühl, wir werden von vorne bis hinten verarscht.“

Von Wiebke Brütt

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