Pedaltreter haben beim Trecker-Treck in Dreilingen keine Chance / Kampf gegen Gewichte

Volle Kraft mit Zehenspitzengefühl

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PS sind nicht alles beim Trecker-Treck in Dreilingen: Um den Bremswagen bis zum Ziel zu ziehen, brauchen die Piloten auf dem Traktor viel Zehenspitzengefühl.

Dreilingen. Seit dem frühen Sonntagmorgen heulen am Fuß des Horstberges die Motoren der PS-starken Bauern-Boliden auf. Kleine, große, alte und neue Traktoren starten beim bekannten Trecker-Treck in Dreilingen. Ein Spektakel, das sich als Publikumsmagnet erweist.

Bei diesem Motorsport geht es ausnahmsweise mal nicht um Tempo, es ist Schrittgeschwindigkeit angesagt.

Anspannung vor dem Start: Hinter dem Lenkrad sitzen meist Fahrer, die aus der Landwirtschaft kommen.

Hinter dem Lenkrad mutieren die meist aus der Landwirtschaft kommenden starken Männer zu feinfühligen Piloten, die alles versuchen, um am Ende ihres Kampfes mit dem Bremswagen die vorgegebene 70- oder 80-Meter-Marke zu knacken und einen „Full-Pull“ zu landen, das heißt, ohne zu stoppen den Zugschlitten über die gesamte Bahn zu ziehen. Trecker-Treck ist ein Spiel mit den Gewichten, eine Balance zwischen technischer Kraft und menschlichem Geschick. Pedaltreter haben hier keine Chancen. Es kommt auf das richtige Gefühl an, das man irgendwie in den Fußspitzen haben muss, um die bestmögliche Kraftübertragung zu bekommen.

Wer nicht aufpasst, verliert den Bodenkontakt – wie dieser Fahrer. Die Veranstaltung erweist sich als Zuschauermagnet.

Richtige Könner am Gaspedal schaffen das auch, anderen geht die Puste nach schon wenigen Metern aus, denn der Bremswagen hat eine „verrückte“ Eigenschaft, die in seiner Konstruktion begründet liegt: je nach zurückgelegter Distanz bewegen sich die Gewichte permanent nach vorn, so dass der Gegendruck am Boden immer stärker und der Zugvorgang damit schwieriger wird. Eine Unachtsamkeit, eine Konzentrationsschwäche, ein kleines Nachlassen des Feingefühls, und schon schiebt sich die Erde vor dem Bremswagen, bis es kein Fortkommen mehr gibt und die Sache gelaufen ist. Zur Wahrung der Chancengleichheit starten die Maschinen in unterschiedlichen Gewichtsklassen und gegen entsprechend schwere Bremswagen. Es gibt klare Regeln. In den Standardklassen müssen Original-Motor, Einspritzpumpe und Turbolader verbaut sein. Jeder Schlepper muss mit einem Überrollbügel, einer Sicherheitskabine oder einem Steigbegrenzer ausgerüstet sein. Schalten während des Pulls oder das Aufstehen vom Sitz während des Zuges sind nicht gestattet.

Ein ausgefeiltes Rahmenprogramm sorgt für allerhand Abwechslung. Die Kids kommen auf ihre Kosten beim Rundendrehen mit kleinen Quads. Wer es gemütlicher mag, setzt sich in den Planwagen und lässt sich mit einem alten Lanz-Bulldog durch das Dorf und die nähere Umgebung ziehen.

Von Ulrich Bleuel

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