Nährstoffe belasten das Grundwasser: Seminar in Suderburg mit allerlei Erkenntnissen

„Umdenken findet statt“

Durch Biogasanlagen hat die Verunreinigung von Böden zu genommen. Foto: Ph. Schulze

Suderburg. Wasserversorger schlagen Alarm: in Deutschland ist der Nährstoffeintrag in manchen Böden zu hoch. Grund sind unter anderem die Mengen an organischem Dünger, die auf die Äcker ausgebracht werden.

Nährstoffe daraus, im Wesentlichen Nitrate, gelangen in Gewässer und in das Grundwasser und führen zur Verunreinigung. Durch den vermehrten Einsatz von Biogasanlagen hat sich das Problem in den vergangenen Jahren verschärft: Gärreste aus den Anlagen, die bislang nicht in den Grenzwerten der Düngeverordnung bedacht sind, sorgen für zusätzlichen Nährstoffeintrag auf deutschen Äckern. Hinzu kommt der massive Maisanbau mit hohem Stickstoffbedarf, der bei fehlender Unterpflanzung zudem zur Bodenerosion führt.

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat sich dieses Problems nun angenommen und im Rahmen eines zweitägigen Seminars an der Ostfalia Hochschule in Suderburg thematisiert. „Es gibt ein Konfliktfeld zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft“, erläutert Prof. Artur Mennerich, Prodekan an der Ostfalia und Vorsitzender des DWA-Landesverbandes Nord, der das Seminar nach Suderburg geholt hat, „weil es in unser Profil passt.“ Mennerichs Ziel ist es, diese Thematik an der Suderburger Hochschule zu verankern und künftig regelmäßig aufzugreifen. „Die Resonanz auf dieses Auftaktseminar hat uns recht gegeben. Fast 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland sind gekommen, es ist in der Fachwelt hoch angesiedelt“, so Mennerich, sowohl der Vertreter von Hochschulen, Behörden und des Umweltministeriums als auch Praktiker begrüßte.

Die DWA, eine bundesweite Vereinigung von Ingenieuren aus den Bereichen Wasser, Abwasser und Abfall, ist aus der 1948 gegründeten Abwassertechnischen Vereinigung hervorgegangen und seither maßgeblich verantwortlich für die Formulierung von Normen und Richtlinien sowie Ausbildungsinhalten. Nachdem Wasserwirtschaftler das Problem öffentlich gemacht haben, hat auch die Politik reagiert, etwa mit der Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes, welches nunmehr vorsieht, dass in Biogasanlagen nicht mehr als 60 Prozent Mais verarbeitet werden dürfen.

Neben der Problembeschreibung haben die Seminarteilnehmer in Suderburg Lösungsansätze und Zielvorstellungen formuliert: „Laut Düngeverordnung beträgt der Grenzwert heute 170 Kilogramm Stickstoffeintrag an organischem Dünger pro Hektar. Hier sind die Gärreste noch gar nicht bedacht und mineralischer Dünger kommt darüber hinaus hinzu“, so Mennerich. Aus der Sicht der Wasserwirtschaft sollte der Grenzwert auf 120 Kilogramm pro Hektar inklusive der Gärreste heruntergesetzt werden. „Das geht natürlich nur gemeinsam mit der Landwirtschaft.“ Lösungsansätze sind beispielsweise wechselnde Fruchtfolgen, indem andere Kulturen wie etwa Zuckerrüben und Getreide in die Biogasproduktion integriert werden. „Wir brauchen Alternativen zum Mais“, so Mennerich. Bodendeckende Untersaaten sowie Ackerrandstreifen könnten die Bodenerosion vermindern. Untersucht wird derzeit auch das Potential einer Pflanze, die bislang in der Landwirtschaft kaum eine Rolle spielte: die Durchwachsene Silphie, eine mehrjährige Pflanze, die den Boden begrünt und vereinzelt als Futterpflanze angebaut wird. Darüber hinaus sollen verstärkt Rohstoffe, die ohnehin vorhanden sind, verwertet werden, wie es bereits in einem Projekt an der Roscher Deponie praktiziert wird. „Ein Umdenken findet statt, bei Ingenieuren und landwirtschaftlichen Forschungsanstalten und auch bei den Landwirten“, fasst es Artur Mennerich zusammen.

Von Christine Kohnke

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