Genossenschaft legt neues Konzept für dezentrale Versorgung in Bohlsen vor

Überraschende Wende in Bohlsen: Nahwärmenetz nun doch möglich

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Das Nahwärmenetz in Bohlsen soll mit Dinkelspelzen betrieben werden.

Bohlsen. Ein eigenes Nahwärmenetz, das Bohlsen durch das Heizen mit Dinkelspelzenpellets unabhängig von Öl und Gas macht: Dieser Traum der etwa 70 Mitglieder zählenden Genossenschaft Bürger-Energie Bohlsen (BEB) schien vor einigen Monaten schon geplatzt.

Zu teuer war das Vorhaben, zu gering die Zahl der interessierten Haushalte (AZ berichtete).

Doch jetzt gibt es eine überraschende Wende. Mit einem neuen Standort der Heizzentrale, einer anderen Brenntechnik und weniger Trassenlänge könnte die BEB deutlich an Kosten sparen. Damit wird das Nahwärmenetz nun doch wieder möglich. „Wir sehen diese Variante als sehr positiv und sind froh, dass wir jetzt anscheinend eine tragfähige und technisch realisierbare Lösung gefunden haben“, sagt Sarah Schulz, stellvertretende Vorsitzende der BEB.

Und so sehen die neuen Pläne der Genossenschaft aus: Die Heizzentrale des Nahwärmenetzes, die ursprünglich auf dem Firmengelände der Bohlsener Mühle an der B 71 vorgesehen war, soll nun im Ort gebaut werden. Ein möglicher Standort ist neben dem Silo am Altgebäude der Mühle. Dadurch würde sich die Trassenlänge des Netzes von 6,33 auf rund 4,8 Kilometer verringern. Die Kosten für den Bau der Leitungen und Hausanschlüsse würden somit auf geschätzte 1,43 Millionen Euro sinken. Das wäre erheblich weniger als bei der bisherigen Variante. Zudem müssten rund 440 000 Euro in den Bau der Heizzentrale investiert werden. Finanziert werden soll das Ganze durch Eigenkapital der BEB, öffentlichen Fördermittel und Kredite.

Neu ist auch, dass in der Heizzentrale ein robuster Drehrohrkessel zum Einsatz kommen soll. Er würde mit Dinkelspelzen – mit oder ohne Pelletierung – betrieben, einem Restprodukt der Bohlsener Mühle. Der Kessel ist laut Sarah Schulz äußerst betriebssicher und geräuscharm und erzeugt wenig Abgase. Außerdem könnten darin auch Feststoffe, zum Beispiel Strauchschnitt, verbrannt werden.

Ein Ingenieurbüro aus Bad Iburg soll nun den Trassenverlauf planen und die Arbeiten ausschreiben. „Im Herbst werden wir dann die tatsächlichen Zahlen vorliegen haben“, sagt Sarah Schulz. Danach will die BEB endgültig über das Nahwärmenetz entscheiden. Möglicherweise im Winter dieses Jahres könnte der Bau beginnen. Das Netz würde dann zur Heizperiode 2017/18 in Betrieb gehen.

Bei den Mitgliedern der BEB sei die neue Variante auf einhellige Zustimmung gestoßen, freut sich Sarah Schulz. Auch die Gemeinde Gerdau signalisiert Entgegenkommen. Eigentlich sollten in diesem Jahr die Fahrbahndecken von drei Straßen in Bohlsen erneuert werden. Diese Arbeiten sollen nun auf 2017 verschoben werden, bietet Bürgermeister Stefan Kleuker an. „Wir können die Haushaltsmittel ins nächste Jahr übertragen und die Sanierung in einem Zug mit dem Bau des Nahwärmenetzes ausführen.“ Darüber hinaus sei es denkbar, gleichzeitig Leerrohre für Glasfaserkabel zu verlegen, hofft Kleuker auf einen weiteren Synergie-Effekt.

Von Bernd Schossadowski

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