Suderburger Radler lehnen Benutzungspflicht der Straße ab und wollen lieber auf Gehweg fahren

Suderburger Radler wollen lieber auf dem Gehweg fahren

+
Viele Radfahrer in Suderburg fühlen sich auf dem Gehweg sicherer als auf der Fahrbahn der Bahnhofstraße.

Suderburg. Peter Hansens Schilderung lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Ulrich Koch

„Auf der Bahnhofstraße herrscht wahnsinniger Lkw-Verkehr, es gibt Trecker ohne Ende und Privatrennen von Kradfahrern“, berichtet der Suderburger am Donnerstagabend auf der öffentlichen Infoveranstaltung über die Situation von Radfahrern im Ort. Hansen kann nicht nachvollziehen, warum Radler seit Herbst 2015 auf einigen Abschnitten der Bahnhofstraße auf die Fahrbahn ausweichen müssen und nicht mehr auf dem Gehweg fahren dürfen. Das hat der Landkreis Uelzen nämlich angeordnet – mit der Begründung, dass das Radfahren auf der Straße sicherer sei als auf einem eigenen Weg. „Uns wurde mitgeteilt, es liege keine Gefahrenlage vor, um die Benutzungspflicht auf Geh- und Radwegen aufrecht zu erhalten“, sagt Suderburgs Bürgermeister Hans-Hermann Hoff. Daher habe der Landkreis die entsprechenden blauen Schilder in Suderburg entfernt (AZ berichtete).

Seitdem herrscht im Ort große Unsicherheit, wo Radler den Gehweg und wo die Straße benutzen müssen. „Hier wird kreuz und quer gefahren. Dieser Zustand ist nicht haltbar“, meint Hoff. Für Hansen steht indes fest: „Ich bin doch nicht lebensmüde und fahre auf der Bahnhofstraße. Da zahle ich lieber ein Bußgeld.“

Laut Straßenverkehrsordnung gehöre das Fahrrad aber grundsätzlich auf die Straße, erläutert Ulrich Koch von der Verkehrswacht Uelzen den rund 60 Zuhörern. „Untersuchungen zeigen, dass Radler immer da am sichersten sind, wo Autofahrer sie konstant im Blick haben.“ Doch es gibt Ausnahmen: Kinder bis acht Jahre müssen auf dem Gehweg fahren, mit neun und zehn Jahren dürfen sie es. Benutzen erwachsene Radler trotzdem den Gehweg, könnte das böse enden, warnt Koch: „Wenn es dort zu einem Unfall mit einem Auto kommt, wird der Radfahrer derjenige sein, der die Hauptschuld trägt.“

Einen Kompromiss schlägt der Suderburger Jürgen Wrede vor. Er wünscht sich auf der rechten Seite der Bahnhofstraße – in Richtung Bahnhof – einen Schutzstreifen für Radfahrer. Dabei handelt es sich um eine gestrichelte weiße Linie, die es bereits auf der Bodenteicher Ortsdurchfahrt gibt. „Wir Radfahrer verkaufen uns unter Wert“, kritisiert Wrede. „Warum nehmen wir immer auf die Autofahrer Rücksicht?“

Die politischen Gremien in Suderburg werden demnächst über die Radfahr-Situation und die mögliche Einrichtung eines Schutzstreifens beraten, kündigt Hoff an. Darüber entscheide aber allein der Landkreis, denn die Ortsdurchfahrt sei eine Kreisstraße. „Wir können nur Bittsteller sein“, sagt er. Doch die Bodenteicher hätten es letztlich auch geschafft, dass in ihrem Ort ein Schutzstreifen eingerichtet wurde.

Pragmatisch ist der Tipp, den Verkehrsexperte Koch den Zuhörern gibt – und dafür Beifall erntet: „Ich fahre da, wo ich mich am sichersten fühle.“

Von Bernd Schossadowski

Kommentar

Trügerische Sicherheit

Bernd Schossadowski

Es ist ein Dilemma: Radfahrer sind auf Straßen sicherer als auf Gehwegen unterwegs, behaupten Experten und verweisen auf Verkehrsuntersuchungen. Ganz anders sehen das viele Radler, die sich auf einem separaten Weg einfach wohler fühlen als im Getümmel mit Autos und Lastwagen. Und sie haben Recht. Es ist nur schwer zu verstehen, warum ein eigener Weg, der baulich von der Fahrbahn getrennt ist, gefährlicher sein soll als das Chaos auf der Straße. Daher sollte Radlern die Gehweg-Benutzung wieder erlaubt werden. Die Fahrt auf der Straße vermittelt indes trügerische Sicherheit. (bs)

Kommentare