Lob und Dank für einen ehrlichen Finder

Sudanesischer Flüchtling aus Suderburg entdeckt Geldbörse in Uelzen – und macht den Besitzer glücklich

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Philipp Tiedemann (rechts) freute sich, als er seine Geldbörse vom sudanesischen Flüchtling Mbarak Chaltout Tigany, der sie am Uelzener Bahnhof gefunden hatte, zurückbekam.

Suderburg. Er hätte die Geldbörse auch einfach behalten und den Inhalt an sich nehmen können. Doch das kam für Mbarak Chaltout Tigany nicht in Frage.

Keine Sekunde zögerte der sudanesische Flüchtling, der zurzeit in Suderburg lebt, und machte sich auf die Suche nach dem Eigentümer des Portmonees. Dieses hatte er kürzlich in der Nähe des Hinterausgangs des Uelzener Bahnhofs gefunden. Jetzt gab der 25-Jährige die Geldbörse an Philipp Tiedemann zurück – und erntete dafür herzlichen Dank.

„Ich wollte das Portmonee bei der Polizei im Hundertwasser-Bahnhof abgeben, doch die hatte schon geschlossen“, erzählt Tigany. Der Sudanese gab aber nicht auf und kontaktierte Martin Tuttas, Mitbegründer der Flüchtlingshilfe Suderburg. Denn Tigany vermutete, dass das Fundstück einem Ostfalia-Studenten gehört. Anhand des Personalausweises im Portmonee machte Tuttas den Eigentümer, der in Uelzen lebt, ausfindig.

„Ich war abends mit meinem Bruder und einem Bekannten in Uelzen unterwegs“, schildert Philipp Tiedemann. Gemeinsam hätten sie auf einer Mauer am Zentralen Omnisbus-Bahnhof gesessen. „Ich habe die Börse neben mich auf eine Mauer gelegt. Als wir wieder aufstanden, habe ich vergessen, sie einzustecken“, erinnert sich der 20-Jährige. Zwar habe sich nur wenig Bargeld in der Börse befunden, wohl aber wichtige Dokumente wie seine Gesundheits- und die EC-Karte. Beide ließ Tiedemann sofort sperren. Doch noch am selben Tag ereilte ihn die Nachricht, dass das Portmonee gefunden worden war. Bei der Rückgabe war Tiedemann erleichtert. „Ich finde das ganz klasse“, lobt er Tiganys Ehrlichkeit. „Ich kenne einige Leute, die würden das einfach einstecken.“ Und so gab es für den Suderburger Flüchtling als Dank einen herzlichen Händedruck.

Tuttas ist von Tigany beeindruckt. „Das ist wirklich bemerkenswert“, findet er.“ Dagegen zeigt sich der Sudanese, der bereits passabel Deutsch spricht, bescheiden: „Für mich war das doch eine Selbstverständlichkeit.“ Dabei hat Tigany bislang zwiespältige Erfahrungen in Deutschland gemacht. Seit einem Jahr wohnt er in einer Suderburger Flüchtlingsunterkunft. Sein Asylantrag läuft, doch noch immer hat er von den Behörden keinen Termin für eine Anhörung bekommen. Das frustriere ihn sehr, verrät er.

Zudem sei er einmal – jedoch außerhalb Suderburgs – rassistisch beleidigt worden. Das ließ ihn aber kalt. „In jedem Land gibt es gute und schlechte Leute“, sagt er. Seine Hoffnung ist nun, endlich Asyl in Deutschland zu bekommen.

Von Bernd Schossadowski

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