Antrag der Wählergemeinschaft entzweit Suderburger Politik

Streit um KGS-Außenstelle

+
Nach dem Willen der Wählergemeinschaft soll in der Oberschule Suderburg eine Außenstelle der KGS Bad Bevensen eingerichtet werden. Das sorgt für heftige Diskussionen. 

bs Suderburg. Soll in der Oberschule Suderburg eine Außenstelle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen eingerichtet werden? Über diesen Antrag der Wählergemeinschaft (WSL) hat jetzt der Suderburger Samtgemeinderat gestritten.

Die WSL will damit die aus ihrer Sicht kränkelnde Oberschule aufwerten. Doch die breite Mehrheit des Rates reagierte mit Unverständnis auf diesen Vorstoß. Die öffentliche Debatte schade der Oberschule, meinte Jörg Hillmer (CDU). Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) erklärte, der Wunsch der WSL sei rechtlich gar nicht umsetzbar. Für Verwunderung sorgte die Tatsache, dass die WSL vor der Einbringung ihres Antrags nicht mit den Leiterinnen der Oberschule und der KGS gesprochen hatte.

Letztlich beschloss der Samtgemeinderat, den Antrag zur weiteren Beratung an die Fraktionen zu verweisen. Ohnehin kann dieses Gremium dazu nur eine Empfehlung abgeben. Die Entscheidung, ob eine Suderburger KGS-Außenstelle beim Land beantragt wird, müsste der Kreis Uelzen treffen.

„Sargnägel für die Oberschule“


Die Diskussion im Suderburger Samtgemeinderat hatte schon fast eine halbe Stunde gedauert, als Jörg Hillmer der Geduldsfaden riss. „Ich wehre mich gegen den dramatischen Niveauverlust in der Kommunalpolitik, den wir gerade erleben“, kritisierte der CDU-Ratsherr einen Vorstoß der Wählergemeinschaft (WSL). Diese hatte gefordert, im Gebäude der Oberschule Suderburg eine Außenstelle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen zu errichten. Einen entsprechenden Antrag an das Land solle die Samtgemeinde beim Kreis Uelzen einreichen, forderte die WSL. Dieser müsste nämlich über die Antragstellung entscheiden.

Das stieß im Rat auf Unverständnis. Der WSL-Vorschlag sei realitätsfern und bringe die Schule in Misskredit, wetterte Hillmer. „Ihr habt der Oberschule einen Bärendienst erwiesen“, sagte er in Richtung WSL. Diese habe ihren Antrag vorher weder rechtlich geprüft noch das Gespräch mit den Leiterinnen von Oberschule und KGS gesucht. „Das sind alles Sargnägel für die Oberschule. Jede weitere Diskussion über diesen Antrag schwächt sie“, schimpfte Hillmer.

Dagegen verteidigte WSL-Fraktionschef Dierk Pellnath den Antrag. „Die Oberschule Suderburg kränkelt. Wir wollen sie aufwerten“, erklärte er. Noch immer besuchten viele Kinder aus Gerdau und Eimke die Bad Bevenser KGS und nicht die Oberschule vor Ort. Durch die Schaffung einer KGS-Außenstelle könne das schulische Angebot in Suderburg verbessert werden.

Dem widersprach CDU-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Schröder. „Eine kränkelnde Oberschule mache ich nicht dadurch gesund, indem ich sie zu einer KGS ausweite. Erst mal muss ich sie zu einer gesunden Oberschule machen“, betonte er.

Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) monierte, der Antrag wecke bei den Eltern falsche Hoffnungen. Die WSL hätte sich vorher informieren müssen, ob die Einführung einer Außenstelle rechtlich möglich ist, „und das ist es nämlich nicht“, glaubt er. Auch sein Fraktionskollege Manfred Mikulla bekundete erhebliche Bedenken. Der Antrag sei „äußerst unausgegoren“.

Nach Ansicht von Hans-Hermann Hoff (Grüne) wird es einige Eltern geben, die ihre Kinder nicht auf eine KGS schicken wollen. „Müssen wir dann noch eine andere Schulform in Suderburg vorhalten? Oder kutschieren wir diese Kinder zur Oberschule nach Uelzen?“, fragte er. Insgesamt bringe der Antrag aber „Lebendigkeit in die Debatte“.

Letztlich beschloss der Samtgemeinderat einstimmig, den WSL-Antrag zur weiteren Diskussion an die Fraktionen zu verweisen. Auf die politische Debatte hätte Oberschul-Leiterin Rita Reinhardt jedoch gerne verzichtet, erklärte sie der AZ. „Wir sind betroffen, dass man vorher den Weg nicht zu uns gefunden hat“, sagte sie im Namen ihres Kollegiums. Außerdem stoße der WSL-Antrag die Eltern vor den Kopf.

Klare Worte spricht auch Kreissprecher Martin Theine: „Eine Außenstelle der KGS in Suderburg ist nach Einschätzung der Kreisverwaltung unrealistisch, da sie den gesetzlichen Vorgaben widersprechen würde.“

Kommentar

Fahrlässiger Schnellschuss 

Von Bernd Schossadowski 

Ihr Anliegen war eigentlich, die Oberschule Suderburg zu stärken, doch dieser Schuss ging kräftig nach hinten los. Mit ihrem Antrag, in Suderburg eine Außenstelle der KGS Bad Bevensen einzurichten, hat die Wählergemeinschaft Suderburger Land (WSL) viel Porzellan zerschlagen. Ganz egal, wie man über diesen Vorschlag denken mag: Dass die WSL zuvor nicht mit den Leiterinnen der Oberschule und der KGS darüber gesprochen hat, ist geradezu naiv. Der Antrag ist ein fahrlässiger Schnellschuss mit ungewissen Folgen. Denn es könnte sein, dass die Oberschule Suderburg nun völlig grundlos ins Gerede kommt. Verantwortungsvolle Kommunalpolitik sieht anders aus.

Kommentare