Graffiti-Projekt für Suderburger Jugendliche mit Profi-Sprayer aus Hamburg

Sprühfarbe für die Turnhalle

So geht’s richtig: Graffiti-Künstler Andreas Litzba zeigt der 14-jährigen Dalia Hirsch, wie man die Sprühdose ansetzt. Die Jugendlichen verschönern unter fachmännischer Hilfe die Mauer der Turnhalle. Foto: Ph. Schulze

Suderburg. Daisy, Donald und Dagobert zieren seit gestern die Wand der Suderburger Turnhalle. Noch kommen die Disney-Comicfiguren etwas blass rüber, aber nach und nach wird das kleine Kunstwerk farbig.

An die Wand kommt das Bild nicht mit Pinsel und Farbe, sondern per Sprühdose. Was an Gebäuden und Fahrzeugen oft ein Ärgernis ist, ist in diesem Fall lange geplant. „Seit neun Monaten haben wir dieses Projekt vorbereitet“, sagt Jan Vander, einer der drei Leiter des Suderburger Jugendzentrums.

Damit das kleine Kunstwerk auch hochwertige Ansprüche erfüllt, wurde ein Profi engagiert: der Graffiti-Künstler Andreas Litzba aus Hamburg. Nun ist es aber nicht so, dass der Profi-Sprayer die Wand alleine besprüht, sondern die Konturen werden von den Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 mit Farbe ausgesprüht. Gestern allerdings machte das Wetter den legalen Sprayern einen Strich durch die Rechnung. „Die Farbe darf nicht nass werden“, erklärt Vander.

Ihre eigenen Sprühversuche durften die Jugendlichen schon im Vorfeld ausprobieren – an der Wand des Jugendzentrums. „Wir haben schon mal vorher gemalt und es dann umgesetzt“, schildert die 14-jährige Friederike Preuß aus Dreilingen. Ganz so, wie es sich die Jugendlichen vorgestellt hatten, ist es dann allerdings doch nicht geworden. „Graffitis mit Schatten sehen besser aus“ – diese Erkenntnis zog Delia Hirsch aus Hösseringen aus den ersten Versuchen. Vier unterschiedliche Graffitis prangen inzwischen an der Wand des Juz. „Eins davon haben wir selbst gemacht“, sagt Jan Vander. Die anderen drei sind von den jungen Nachwuchs-Sprühern. Als Nachwuchs-Sprüher hat auch Andreas Litzba mal angefangen. „Ich bin in Hamburg Steilshoop aufgewachsen – da war alles bunt“, schildert er den Beginn seiner Graffiti-Karriere. Illegal habe er eine Brücke angesprüht. „Ich habe schnell erkannt, dass es das nicht ist.“ Was er inzwischen mit der Dose macht, hat nichts mit Schmierereien mehr zu tun. „Ich erkläre den Jugendlichen gleich zu Beginn, dass beispielsweise ein Smiley am Stromkasten 250 bis 400 Euro Strafe kostet“, sagt Litzba, der inzwischen als Kunstlehrer auf Honorarbasis durch Norddeutschland tingelt. „Wenn eine Gemeinde eine Fläche zur Verfügung stellt und ich den Jugendlichen einmal erkläre, wie es funktioniert, dann kann damit das illegale Geschmiere im Ort minimiert werden“, ist sich der Graffiti-Künstler sicher.

Ob das kleine Kunstwerk an der Suderburger Turnhalle bis morgen fertig wird – das Material für die Grundierung wurde dem Juz vom Suderburger Malerteam zur Verfügung gestellt –, ist noch offen, denn die Aktion steht und fällt mit dem Wetter. Von dem Motiv, das sich die Suderburger Jugendlichen ausgesucht haben, ist der Hamburger jedenfalls begeistert: „Es ist sehr old-school, und auch viele ältere Leute fanden es toll. Sonst wollen die Jugendlichen meistens lieber moderne Superhelden.“

Von Jörn Nolting

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