Andree Löbnitz aus Hösseringen erschafft mit seinen Motorsägen tonnenschwere Skulpturen

Späne fliegen – Kunst entsteht: Speedcarving

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„AL“ prangt auf dem hölzernen Tank, seine Initialen: Andree Löbnitz ist Kettensägen-Künstler aus Hösseringen. Sein neuester Hingucker: ein tonnenschweres Motorrad aus Eiche.

Hösseringen. Nach getaner Arbeit mutet er immer ein wenig an wie ein paniertes Schnitzel: Unzählige Holzspäne haften an den Unterarmen von Andree Löbnitz, sogar unter seiner Brille und an seinen Sicherheitsschuhen. Andree Löbnitz aus Hösseringen ist Motorsägenkünstler.

Er trägt Ketten nur bei der Arbeit: Andree Löbnitz in seinem Element. Gerade arbeitet er an einem Quad aus Eiche. Es soll einmal auf einem Spielplatz stehen. Sein Motto: „Der Baum, der heut’ im Wege steht, ist morgen zur Skulptur gesägt.“

Mit schwerem Gerät schafft er beeindruckende Skulpturen. Egal ob Engel, Teufel, Affe oder Löwe: Meist tonnenschweren Eichenstämmen haucht er Leben ein oder verpasst ihnen Räder. Sein neuester Streich: ein gigantisches Motorrad. Spaziergänger bleiben am Grundstück von Löbnitz stehen, zücken das Smartphone und beginnen zu fotografieren. Für ein Foto nimmt er auf dem Feuerstuhl aus geflammter Eiche Platz. 20 Arbeitsstunden stecken in dem hölzernen Gefährt. Mehr als 1,5 Tonnen ist es schwer, alleine das grobstollige Vorderrad wiegt 250 Kilogramm. Die Kunst, mit Motorsägen eine Holz-Skulptur zu erschaffen, nennt sich Speedcarving, was übersetzt so viel bedeutet wie schnelles Schnitzen. „Genau das Richtige für einen ungeduldigen Menschen wie mich“, berichtet Löbnitz.

Seinem Hobby geht der VW-Mitarbeiter bereits seit zehn Jahren nach. Durch Zufall sah er einmal im Walderlebniszentrum Ehrhorn einen Motorsägenkünstler bei der Arbeit. „Ich war nicht nur begeistert, ich war erstarrt“, erinnert sich der Autobauer. „Ich kaufte mir danach sofort eine Motorsäge.“ Sein Erstlingswerk war ein Bärenkopf. „Ich war unendlich stolz“, sagt Löbnitz. Auch probierte er sich gleich an einem Adler. „Der sah zwar aus wie ein Papagei, aber ich fand ihn toll.“

Heute geht ihm das Schaffen von Holz-Skulpturen leicht von der Hand. Das Motorrad ist für den Spielplatz auf einem Campingplatz in Hösseringen gedacht und gehört zu einer Serie Skulpturen, die dort bald zu bewundern sein werden. Darunter auch Pferde und ein Quad, an dem er gerade arbeitet. Die Form ist bereits gut sichtbar.

„Mein Hobby könnte ich nicht machen, wenn ich die Waldmärker nicht hätte“, sagt Löbnitz und fügt hinzu: „Tolle Typen.“ Die Waldmärker helfen ihm beim Transport der schweren Holzstämme.

Und was plant Löbnitz als nächstes? Er zeigt auf einen zwei Tonnen schweren, leicht gegabelten Eichenstamm und sagt: „Das wär’ mein Traum, hieraus ‘nen riesengroßen Orang Utan zu machen. Das wär’ natürlich obergeil.“

Von Michael Koch

Speedcarving: Ein gigantisches Holz-Motorrad entsteht

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