Biogasanlage in Böddenstedt soll künftig unter anderem mit Geflügelkot betrieben werden

Skepsis gegenüber „Kaventsmann“

Auf eine Leistung von 2,7 Millionen Kubikmeter Biogas käme eine vergrößerte Biogasanlage in Böddenstedt. Kritik an dem Vorhaben gibt es vor allem wegen des neuen Anteils an Hühnerkot im genutzten Material. Die Grafik der geplanten Anlage zeigt die Fahrsiloanlage (gelb), zwei Fermenter, Güllelager und Nachgärer (3 bis 6), das Endlager (8), das Blockheizkraftwerk (2) und ganz oben die Schweinemastanlage. Die Biogasanlage steht nördlich von Böddenstedt an der Schulstraße. Grafik: Manfred Meyer/SG Suderburg

Böddenstedt. Die Biogasanlage Böddenstedt will aufrüsten. Statt bisher 2,3 Millionen Normkubikmeter Gas sollen künftig 2,7 Millionen Normkubikmeter erzeugt werden. Dabei wird sich auch die Zusammensetzung des eingesetzten Biomaterials ändern.

In der vergangenen Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses der Samtgemeinde Suderburg gab es von Räten und Bürgern Bedenken. Morgen wird weiterdiskutiert.

Besondere Skepsis wurde der Erweiterung der Biogasanlage entgegen gebracht, weil sich die Zusammensetzung des Gärmaterials ändert: Die Anteile von Gülle und Getreide werden sinken, neu hinzu kommen aber 1500 Tonnen Geflügelmist pro Jahr – es würde aus Merzen bei Osnabrück nach Böddenstedt gefahren werden. Der Anteil von Hackfrüchten wie Kartoffeln, Rüben und Zwiebeln würde sich erhöhen. Die Verwaltung geht davon aus, dass insgesamt 900 Fahrten zusätzlich pro Jahr nach Böddenstedt fahren würden.

Bürger wiesen in der Sitzung wiederholt auf Studien hin, die belegen würden, dass Geflügelkot gesundheitsschädlich sei. Der Ausschussvorsitzende Manfred Mikulla beschrieb sogar, dass laut einer neuesten Studie Keime von Geflügelkot auch über den Boden und Wurzeln zu anderen Planzen gelangen könnten.

Fachbereichsleiter Rüdiger Lilje versuchte, diese Diskussion zu bremsen, ohne sie für falsch zu erklären. Aber: „Wenn wir anfangen, Immissionsschutzbehörde zu spielen, werden wir nur verlieren“, sagte er. Dafür habe die Samtgemeinde weder Zuständigkeit noch Kompetenz – die Einschätzung über Immissionen liegt beim Landkreis. Die Handhabe für oder gegen einen solchen „Kaventsmann“ von Biogasanlage sieht er bei der Samtgemeinde lediglich in städtebaulichen Gründen. Bei denen – und bei Gründen des Brandschutzes – hat die Kommune die Möglichkeit, einzugreifen.

Nach einer Gesetzesänderung des Baugesetzbuches würde die Biogasanlage mit 2,7 Millionen Normkubikmetern so groß werden, dass sie nicht mehr genehmigungsfähig ist, wenn öffentliche Belange beeinträchtigt sind (Details dazu im Baugesetzbuch BauGB § 35, Absätze 1 bis 3). Und das würde wiederum die Ausrichtung des Flächennutzungsplans betreffen – über den die Samtgemeinde Suderburg bestimmt. Im Flächennutzungsplan kann sie eine Höchstgrenze für Biogas-Produktion setzen.

Insofern gebe es durchaus einen Hebel, den die Samtgemeinde Suderburg ansetzen könne, glaubt Lilje. Außerdem fehle ein Geruchsgutachten, und noch ist nicht klar, ob ein ausreichender Brandschutz bestehe.

Die wichtigste Frage bleibt aber, ob die Erweiterung der Biogasanlage politisch unerwünscht oder erwünscht ist – immerhin würde sie anliegende Ortschaften besser mit Energie versorgen können. Ausschussvorsitzender Mikulla war deshalb der Meinung, dass zunächst die Gemeinde Suderburg zu diesem Antrag gehört werden müsse. Darauf einigte sich der Ausschuss.

Als nächstes wird die Erweiterung der Biogasanlage Böddenstedt damit am morgigen Donnerstag im Bau- und Wegeausschuss der Gemeinde Suderburg – um 18 Uhr im Hotel Hof – besprochen. Weitere Punkte sind dann die Straßenbeleuchtung und der Lärmschutz bei Suderburg und Hamerstorf.

Von Kai Hasse

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