KGS-Außenstelle in Suderburg? Antrag der WSL stößt im Samtgemeinderat auf heftige Kritik

„Sargnägel für die Oberschule“

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Jörg Hillmer Archivfoto: phs

Suderburg. Die Diskussion im Suderburger Samtgemeinderat hatte schon fast eine halbe Stunde gedauert, als Jörg Hillmer der Geduldsfaden riss.

„Ich wehre mich gegen den dramatischen Niveauverlust in der Kommunalpolitik, den wir gerade erleben“, kritisierte der CDU-Ratsherr einen Vorstoß der Wählergemeinschaft (WSL). Diese hatte gefordert, im Gebäude der Oberschule Suderburg eine Außenstelle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen zu errichten. Einen entsprechenden Antrag an das Land solle die Samtgemeinde beim Kreis Uelzen einreichen, forderte die WSL. Dieser müsste nämlich über die Antragstellung entscheiden.

Das stieß im Rat auf Unverständnis. Der WSL-Vorschlag sei realitätsfern und bringe die Schule in Misskredit, wetterte Hillmer. „Ihr habt der Oberschule einen Bärendienst erwiesen“, sagte er in Richtung WSL. Diese habe ihren Antrag vorher weder rechtlich geprüft noch das Gespräch mit den Leiterinnen von Oberschule und KGS gesucht. „Das sind alles Sargnägel für die Oberschule. Jede weitere Diskussion über diesen Antrag schwächt sie“, schimpfte Hillmer.

Dagegen verteidigte WSL-Fraktionschef Dierk Pellnath den Antrag. „Die Oberschule Suderburg kränkelt. Wir wollen sie aufwerten“, erklärte er. Noch immer besuchten viele Kinder aus Gerdau und Eimke die Bad Bevenser KGS und nicht die Oberschule vor Ort. Durch die Schaffung einer KGS-Außenstelle könne das schulische Angebot in Suderburg verbessert werden.

Dem widersprach CDU-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Schröder. „Eine kränkelnde Oberschule mache ich nicht dadurch gesund, indem ich sie zu einer KGS ausweite. Erst mal muss ich sie zu einer gesunden Oberschule machen“, betonte er.

Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) monierte, der Antrag wecke bei den Eltern falsche Hoffnungen. Die WSL hätte sich vorher informieren müssen, ob die Einführung einer Außenstelle rechtlich möglich ist, „und das ist es nämlich nicht“, glaubt er. Auch sein Fraktionskollege Manfred Mikulla bekundete erhebliche Bedenken. Der Antrag sei „äußerst unausgegoren“.

Nach Ansicht von Hans-Hermann Hoff (Grüne) wird es einige Eltern geben, die ihre Kinder nicht auf eine KGS schicken wollen. „Müssen wir dann noch eine andere Schulform in Suderburg vorhalten? Oder kutschieren wir diese Kinder zur Oberschule nach Uelzen?“, fragte er. Insgesamt bringe der Antrag aber „Lebendigkeit in die Debatte“.

Letztlich beschloss der Samtgemeinderat einstimmig, den WSL-Antrag zur weiteren Diskussion an die Fraktionen zu verweisen. Auf die politische Debatte hätte Oberschul-Leiterin Rita Reinhardt jedoch gerne verzichtet, erklärte sie der AZ. „Wir sind betroffen, dass man vorher den Weg nicht zu uns gefunden hat“, sagte sie im Namen ihres Kollegiums. Außerdem stoße der WSL-Antrag die Eltern vor den Kopf.

Klare Worte spricht auch Kreissprecher Martin Theine: „Eine Außenstelle der KGS in Suderburg ist nach Einschätzung der Kreisverwaltung unrealistisch, da sie den gesetzlichen Vorgaben widersprechen würde.“

Von Bernd Schossadowski

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