Rheinmetall baut seinen Standort Unterlüß im 115. Jahr aus / Bis zu 400 neue Arbeitsplätze

Rüstung: Hightech und Handarbeit

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Lukrativer Rüstungsauftrag für Rheinmetall: In Unterlüß wird der neue Schützenpanzer Puma produziert. Das Ziel ist ein Stück pro Woche. Waffenproduktion ist Handarbeit.

Unterlüß. Der Krieg kommt stundenweise. Europas größter privater Schießplatz dehnt sich 61 Quadratkilometer weit bis zur Ellerndorfer Heide. Ruhebedürftige Tiere wie der Wolf fühlen sich wohl, wo Rheinmetall seine neuesten Waffen und Munition testet.

Das Unternehmen, das in der Liga der größten europäischen Waffenschmieden spielt, ist jetzt 125 Jahre alt. Seit 115 Jahren gehört Unterlüß dazu. Heute ist der Ort in der Südheide mit 1500 Beschäftigten der wichtigste Standort des Rüstungsbereichs (Defence) von Rheinmetall.

Er soll noch ausgebaut werden. Neben dem neuen Schützenpanzer Puma – den Auftrag der Bundeswehr über 340 Fahrzeuge teilt sich Rheinmetall mit dem Panzerbauer Krauss-Maffei – startet jetzt die Fertigung gepanzerter Führerkabinen für Militär-Lkw. Konzernsprecher Peter Rücker rechnet mit bis zu 400 neuen Arbeitsplätzen, unter anderem für Ingenieure, Techniker, Mechatroniker oder Kaufleute. Die Konzentration in Unterlüß dient auch dazu, die Produktion gegen Ausfälle von Zulieferern abzusichern.

2014 ist die Fertigung des Puma angelaufen – des modernsten Schützenpanzers der Welt, betont Öffentlichkeitsarbeiter Theo Grüntjens bei einer Führung durch die Werkshallen. Rüstung ist Hightech und Handarbeit. Es gibt computergestützte Fräsmaschinen, die komplizierte Bauteile ohne menschliches Zutun herstellen, aber in der Fertigung des 45 Tonnen schweren Hightech-Panzers sucht man Fließbänder und Roboter vergebens. „Unser Ziel ist ein Panzer pro Woche“, sagt Grüntjens.

Der Puma besteht aus 3000 Einzelteilen. Auf Holzpaletten liegen sie bereit. An vier Stationen montieren Facharbeiter Laufwerk und Minenschutz, Elektrik, Motor und Getriebe sowie den Geschützturm.

„Die Erfahrungen aus Afghanistan fließen in die Produktion ein“, erläutert Grüntjens. So sitzt der Fahrer nicht mehr, sondern er hängt in einem Gewirr aus Gurten. So sind seine Füße geschützt, wenn unter dem Panzer eine Mine explodiert. Das Geschütz wird von innen geladen. Der Soldat braucht den Panzer nicht mehr zu verlassen, erklärt der Rheinmetall-Mann: „Wir tun alles, damit unsere Soldaten, die in unserem Auftrag im Ausland sind, sicher aus dem Krieg kommen.“

Von Gerhard Sternitzke

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