Gerdautaler Besuchsteam zieht nach zwei Jahren Bilanz

Regeln für starke Kinder

Eine runde Sache: Das Willkommenspaket für jedes Neugeborene beinhaltet ein besticktes Handtuch, den Regel-Flyer und einen ehrenamtlichen Berater. Foto: Brütt

Gerdau. Von allen Seiten sagt man, es gibt einen weißen Fleck in der Erziehung – so die Meinung von Gerdaus Pastor Michael Kardel. Kindern wie Eltern fehle eine klare Linie in der Erziehung, Grundsätze, an denen sie sich orientieren können.

Vor zwei Jahren entwickelte Kardel zusammen mit einem Team aus Pädagogen der Gerdauer Grundschule, der Kindergärten Eimke und Gerdau sowie Müttern einen Flyer mit zehn Regeln entwickelt, um diese Lücke zu schließen – und der Erfolg gibt ihnen Recht.

„Es gibt nicht umsonst den Grundsatz: Starke Eltern, starke Kinder“, betont Marion Knauer, Leiterin des evangelischen Kindergartens St. Michalis. „Kinder brauchen einen Rahmen. Zudem ist Bindung wichtig.“ Darum basiert der Erziehungsratgeber auch auf beiden Komponenten: Gradlinigkeit und Nähe.

Um ihre Grundsätze an den Mann beziehungsweise die Familie zu bekommen, setzt das Team des Kirchspiels Gerdau offensiv da an, wo die Grundlagen gesetzt werden: Kurz nach der Geburt eines Kindes im Gerdautal flattert eine Gratulationskarte samt Erziehungsflyer ins Haus – mit einem Beratungsangebot. „Erziehung muss in der Familie beginnen und zwar so früh wie möglich. In Gesprächen mit der Schule und den Kindergärten hat sich herausgestellt, dass es in Familien scheinbar viel Unsicherheit beim Thema Erziehung gibt“, sagt Kardel.

Bei etwa 50 Familien sind die Frauen des eherenamtlichen Besuchsdienst inzwischen eingekehrt. „Einige waren skeptisch, als wir unseren Besuch angekündigt haben. Aber die Reaktionen im Nachhinein waren durchweg positiv“, sagt Claudia Schütte. Wie Sabine Burlatis, Regina Hagen und Lydia Härig, die ebenfalls dem christlichen Besuchsdienst angehören, hatte sie bei den Stippvisiten in den Haushalten nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie im Blick. „Es können ganz normale Dinge sein, die die Familie in Beschlag nehmen. Zum Beispiel Schlafmangel“, verdeutlicht Sabine Burlatis, mit welchen Themen die Berater konfrontiert sind. „Dabei ist es ein großer Unterschied, ob es das erste Kind ist, oder schon Geschwister warten. Wir gehen aber nie als Pädagogen in die Familien, sondern als Mütter, die von eigenen Erfahrungen berichten können.“

Nach den positiven Reaktionen aus den vergangenen zwei Jahren wollen die Berater ihr Angebot nun ausdehnen – und zwar auf regelmäßige Elternabende zu unterschiedlichen Themen. Der erste ist für den 22. September geplant. Im Fokus stehen hier weniger die Kinder, sondern die Eltern. Schütte: „Es soll eher ein Wellness-Angebot sein. Wir schenken den Eltern das, was sie am wenigsten haben: Zeit.“

Von Wiebke Brütt

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