Integrationsgruppe der evangelischen Kindertagesstätte Gerdau feiert zehnjähriges Bestehen

„Es ist normal, verschieden zu sein“

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Bei der Feier zum zehnten Geburtstag der Integrationsgruppe in der evangelischen Kita Gerdau haben die Kinder gestern viel Spaß beim Spielen. Dabei ist der spastisch gelähmte Malte Schrader (2. von links) voll in die Gruppe integriert.

Gerdau. Ihnen stehen ein Lese- und ein Werkraum zur Verfügung, ein Kreativbereich, ein kleines Café, ein Entspannungsraum und noch vieles mehr.

Doch gestern wollen die Mädchen und Jungen der evangelischen Kindertagesstätte St. Michaelis in Gerdau vor allem eines: in den Außenbereich der Einrichtung, um dort bei dem schönen Wetter zu spielen. Dort finden sich auch viele Erwachsene ein, denn es gilt das zehnjährige Bestehen der Integrationsgruppe der Kita zu feiern.

Den Auftakt bildet ein Familiengottesdienst in der Gerdauer Kirche, gemeinsam gestaltet von den Kindern, den Kita-Mitarbeiterinnen und Pastorin Dr. Gertrud-Marianne Schendel. Danach geht es auf das Kita-Gelände, wo verschiedene Spiele, Mitmach-Aktionen, Speisen und Getränke auf die Besucher warteten.

Seit 2006 gibt es in der Kita nun vormittags eine Integrationsgruppe mit 17 Kindern. Darunter sind in jedem Jahr vier bis fünf mit besonderem Förderbedarf. Sie haben zum Beispiel ein körperliches oder geistiges Handicap, benötigen Unterstützung im sozial-emotionalen oder im sprachlichen Bereich. Der Gruppenname deutet zwar auf Integration hin, doch die Kita sei da schon einen Schritt weiter, erklärt Leiterin Marion Knauer: „Bei uns wird bereits Inklusion gelebt.“ Das bedeutet, es gibt eine gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder. Die Integrations-, die Regel- und die Krippengruppe werden nicht zeitlich oder räumlich getrennt voneinander, sondern zusammen betreut. Die insgesamt 57 Kinder spielen miteinander und profitieren dabei voneinander, jedoch mit dem Unterschied, dass diejenigen mit besonderem Förderbedarf auch von Therapeuten unterstützt werden.

„In der Gruppe fühlen sie sich aufgehoben und bestärkt“, sagt Gabi Sopniewski, heilpädagogische Fachkraft der Integrationsgruppe. Vorbehalte untereinander gebe es nicht. Im Gegenteil: „Alle nehmen Rücksicht aufeinander.“ Dadurch würden die Kinder mit besonderem Förderbedarf immer selbstständiger.

„Im Haus für alle ist es normal, verschieden zu sein“, so lautet der Leitsatz der Kita. Doch wie hat sich die Wahrnehmung der Einrichtung seit 2006 verändert? „Wir haben hier schon immer ganzheitliche Bildungsarbeit geleistet“, sagt Knauer. „Durch die PISA-Studie hat aber das öffentliche Bewusstsein für frühkindliche Bildung zugenommen.“ Und die Resonanz der Eltern auf die Arbeit der Kita sei positiv.

Das bestätigt Katja Schrader, deren Sohn Malte die Integrationsgruppe besucht. Der Achtjährige ist spastisch gelähmt und sitzt im Rollstuhl. „Malte ist komplett integriert. Die anderen Kinder sehen seine Behinderung nicht als solche an. Sie helfen ihm bei vielen Sachen“, berichtet seine Mutter. Durch die gemeinsame Betreuung habe Malte viel von den anderen gelernt. „Und die Erzieherinnen machen tolle Arbeit“, lobt Katja Schrader. „Sie gehen ganz liebevoll auf jeden Einzelnen ein.“

Von Bernd Schossadowski

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