Nass werden sie alle…

Der Tigersprung verlangte alles ab.

Bohlsen - Von Jürgen Köhler-Götze. Bohlsener Brühtrograllye, die 42. Auflage: Unter allen Festen in der Region ist diese Veranstaltung immer noch diejenige, bei der die Kommerzialisierung nicht droht. Ein Bierwagen, eine Würstchenbude, das war’s auch schon. Und Zuschauer wie Teilnehmer hatten trotzdem ihren Spaß. Es geht eben auch ohne Dauerbeschallung, Ramschstände mit unsäglich dämlichen T-Shirts und sündhaft teuren Plastikluftballons, die am Tag nach dem Fest schlapp in der Ecke liegen.

Schlapp darnieder gelegen haben mag manch einer aus den 27 Teams, die mit ihren Brühtrögen angetreten waren, denn bei aller Gaudi – die Rallye hat es in sich. Zwar war der Start der Tröge über die Rampe wegen des niedrigen Wasserstandes der Gerdau ersatzlos gestrichen worden, aber das hieß eben auch, dass die Teams ihre Tröge selber ins Wasser setzen mussten. Wer da etwas auf sich hielt, der machte das mit Schwung und einem Riesenplatscher, denn Spektakel ist Pflicht. Es muss halt ordentlich spritzen.

Bevor es dann aber auf die etwa zweistündige Fahrt über die Gerdau in Richtung Hansen geht, gilt es, noch einige Prüfungen zu meistern. Gleich nach der ersten Kurve nämlich wartet der TÜV, der kontrolliert, ob die Gefährte den auch in Ordnung sind. Ein Signalgeber muss schon an Bord sein, denn die Gerdau macht auf ihrem Lauf so manche Windung. Auch wenn mit Gegenverkehr nicht unbedingt gerechnet werden muss, so ist es doch ratsam, vor jeder Kurve erst einmal zu hupen. Wofür früher einmal Kuhhörner benutzt wurden, wird jetzt in der Regel mit einer Vuvuzela erledigt.

Und wie beim Auto gehört auch zu einem Brühtrog eine Bordapotheke, die hier jedoch in der Regel aus Schnapsfläschchen besteht, die möglichst dekorativ außenbords hängen oder aber in einer Art Patronengurt am Leib getragen werden. Die Fläschchen, so war zu beobachten, werden aber auch an einigen Stationen der Tour zu Bestechung der Prüfer eingesetzt. Unabdingbar auch die Wasserschöpfer an Bord, denn die Tröge sind alles andere als dicht. Profis wässern sie einige Tage vor dem Rennen gründlich, damit das Holz quillt und die Spalte zumindest kleiner werden.

Die Prüfung mit dem Gummihammer ist Formsache und auch die Regel, dass je ein Männlein und ein Weiblein an Bord sein müssen, ist längst aufgeweicht. Gewünscht ist allerdings bei gleichgeschlechtlicher Besatzung eine angemessene Verkleidung: Mädel sollten sich einen Bart ankleben und Jungs in Frauenkleidern erscheinen, sonst gibt es Abzüge in der B-Note.

Die Prüfungen noch in Sichtweite des Startpunktes haben es in sich. Wasser im Becher transportieren hört sich einfach an, aber wenn der Becher mit der Öffnung nach unten am Bein festgebunden wird, dann wird’s schon schwieriger.

Der Schubkarrenparcours ist natürlich am Hang aufgebaut, damit es nicht zu einfach wird und der berüchtigte Tigersprung durch einen über der Gerdau hängenden Treckerreifen findet genau dort statt, wo die Strömung ziemlich schnell ist. Nass werden gehört dazu, auch bei den Zuschauern, die zu nahe am Wasser sind, und wer letztendlich siegt, ist einigermaßen wurscht. Spaß ohne Bespaßung von außen, so wünscht man sich Feste auf dem Lande.

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