Beim Erntedank- und Kartoffelfest in Hösseringen wird altes Handwerk präsentiert

Museumsdorf unter Dampf

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Für die Pferde im Museumsdorf Hösseringen wurden vor den Augen der Gäste Hufeisen in der Esse in Form gebracht.

Hösseringen. Eine vitaminreiche Begrüßung gab es gleich zum Anfang: Mitglieder der Kreislandjugend verteilten an die vielen Besucher des Erntedank- und Kartoffelfestes im Hösseringer Museumsdorf knackfrische Äpfel und ließen die Ausflügler dann eintreten in eine Welt der vergangenen landwirtschaftlichen Arbeitstechniken.

Im Mittelpunkt und als Anlaufpunkt für alle Technikfreaks: das 100 Jahre alte Lokomobile, das 1913 von der Firma Heinrich Lanz in Mannheim gebaut wurde und neun PS leistet. Bis 1987 war die Maschine in Südamerika im Einsatz, bevor sie vom Museumsdorf erworben und von Kurt Heinelt aus Gerdau betriebsbereit und TÜV-fertig gemacht wurde. Gestern trieb sie eine alte Dreschmaschine an, die von oben mit reichlich Stroh zur Verarbeitung versorgt wurde.

Bevor diese Dampfmaschinen zum Einsatz kamen, mussten Ochsen oder Pferde für den nötigen Antrieb sorgen. Wie das funktioniert, bekam man im Göpel zu sehen. Diese „Rosswerke“ sind Maschinen, deren Achse durch die Zugkraft der Tiere in Umdrehungen versetzt werden und in der Landwirtschaft bis Ende des 20. Jahrhunderts eingesetzt wurden.

Wo Pferde für die Feldarbeit sind, ist natürlich auch ein Schmied nicht weit. Das Hämmern war weithin zu hören und kam aus der Schmiede. Aus dem Bad der glühenden Kohlen wurde das erhitzte Metall auf dem Amboss zu Hufeisen geformt.

Mittelpunkt des Interesse der Zuschauer war unter anderem das 100 Jahre alte Lokomobile, das eine Dreschmaschine antrieb.

Auf dem Kartoffelfeld kamen nach dem Roden die leckeren Erdfrüchte ans Tageslicht und konnten gesammelt werden. Und wer Lust auf mehr hatte, rüstete sich mit einer Hacke aus und stieß tiefer ins Erdreich hinein. Genießen konnte man die Kartoffeln in jeglicher Form. Entweder im alten Dämpfer gegart, über dem Lagerfeuer am Stock oder auch fix und fertig als Pommes. Das war dann die etwas modernere Geschmacksrichtung. Die Vielfalt der Kartoffelsorten probierte man in einer alten Scheune, wo an diesem Tag auch Imker, Bäcker und Senfhersteller zuhause waren. Im Bauerngarten des Brümmerhauses blühte es nicht nur herbstlich, auch das Gemüse wartete schon auf seine baldige Ernte.

Es gab viel zu sehen, zu probieren und auch zu hören. Einen Erntedankgottesdienst in plattdeutscher Sprache, niederdeutsche Lieder und den Eimker Posaunenchor.

Von Ulrich Bleuel

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