Moderne trifft auf Historie

Für manche Kritiker sieht es aus wie eine Tankstelle: das Eingangsportal des Museumsdorfes Hösseringen.

Hösseringen - Von Christine Kohnke und Jörn Nolting. Das Einweihungsfest für das neue Eingangsgebäude des Museumsdorfes Hösseringen wurde um eine Woche auf den 22. August verlegt. Grund dafür ist die Terminfülle an dem zunächst geplanten Tag für das Museumsfest. „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu bieten, unser Fest zu besuchen“, so Museumsleiter Horst Löbert.

Moderne trifft auf Historie – schon jetzt lässt der unfertige Bau auf dem Museumsvorplatz erahnen, wie spannend es hier bald aussehen wird. „Modernste Technik und Infrastruktur werden die Arbeit im Museum wieder ein Stück vielseitiger machen“, so Löbert, der sich der teils kontrovers geführten Diskussion um die moderne Architektur am historischen Standort natürlich bewusst ist. „Es ist verständlich, dass ein moderner Zweckbau zunächst auf Befremden stoßen kann, da er einen starken Kontrast zu den historischen Bauten bildet“, sagt er. Doch die scheinbar nahe liegende Lösung, einen historischen Bau umzusetzen und auszubauen, sei nach musealen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten keine Alternative gewesen. Denn um den geplanten Anforderungen gerecht zu werden, hätte das alte Gebäude komplett entkernt werden müssen – die gesamte Innenstruktur wäre verloren gegangen. „Übrig geblieben wäre bestenfalls eine Fachwerkverkleidung. Aber das ist Nostalgie und kein Museum“, so Löbert. Darüber hinaus komme dem neuen Eingangsgebäude eine wichtige pädagogische Funktion zu. Es soll als „Zeitschleuse“ aus der Gegenwart in die Vergangenheit wahrgenommen werden. Schon deshalb sei der Kontrast zwischen Alt und Neu wichtig. Auf diese Weise könne auch bei der Arbeit mit Schulklassen ein guter Einstieg in die museale Welt gefunden werden.

Doch nicht überall trifft die Optik des neuen Portals auf Begeisterung. „Ich habe im Laufe meines Lebens Dutzende von Besucherzentren bei Naturparks und Museen, auch im Ausland, kennen gelernt. Etwas derartiges ist uns bisher noch nicht vorgekommen. Ich bin über den Neubau des Eingangsbereiches entsetzt“, schrieb der 79-jährige Heinrich Porth aus Lutmissen an Horst Löbert.

Für das Mitglied des Museumsvereins sieht der Baukörper derzeit aus „wie eine Tankstelle“. Auch etwas Futuristisches ist in den Augen des Lutmisseners nicht erkennbar und weder Dachneigung, noch Dachhaut, noch Farbe des Daches passen zu einem historischen Dorf der Lüneburger Heide, sie passen noch nicht einmal zu einem modernen Dorf. „Damit habe ich nicht das Konzept kritisiert“, betont Heinrich Poth. Für ihn ist es ein Zweckbau. Vermutlich habe das Geld gefehlt, so der Kritiker.

Die Planungen für das Gebäude haben einen langen Vorlauf. Im Jahr 1998 gab es erste konzeptionelle Ideen dazu, damals im Zusammenhang mit Überlegungen zur weiteren inhaltlichen Arbeit des Museums und den entstehenden Lehrpfaden Waldgeschichtspfad und Wassererlebnispfad.

„Es war eine Grundsatzentscheidung: Die Infrastruktur des Museums war mit der kontinuierlichen Erweiterung des Museums nicht mitgewachsen. Insbesondere die teure und veraltete Heiztechnik machte uns Sorgen. Aber auch der Anspruch, das Museum als modernen Dienstleiter mit ansprechendem Kassen- und Ladenbereich zu präsentieren, musste bedient werden“, fasst es Architekt Rainer Wetzel zusammen. In einem gewissenhaften Entscheidungsprozess von Vorstand und Planungsgruppe, in den auch Familie Gerken mit ihrem „Haus am Landtagsplatz“ einbezogen gewesen sei, habe man sich zu vorliegendem Konzept entschlossen.

Ansatz der Planungen war die Dreierkombination von Landtagsplatz, Gasthaus und Museum. Um für diese drei Bereiche eine bindende Klammer herzustellen, ist das Rondell vor dem Gebäude als zentraler Platz, der den Zugang in alle Richtungen öffnet, vorgesehen. Hinter dem Eingangsgebäude, auf dem alten Parkplatz, entsteht der neue „Dorfplatz“ des Museums. Hier werden größere Veranstaltungen künftig ihren Mittelpunkt haben.

„Dieser Neubau ist eine ehrliche Lösung. Ein moderner Zweckbau mit altertümelnder Fassade wäre für uns keine Alternative gewesen“, unterstreicht Horst Löbert.

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